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	<title>Ökologische Forschung der Leuphana Universität Lüneburg</title>
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	<title>Ökologische Forschung der Leuphana Universität Lüneburg</title>
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		<title>Globale Homogenisierung: Invasion nicht-heimischer Arten in bergigen Pflanzengemeinschaften</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacqueline Poertner&nbsp;&&nbsp;Meike Buhaly]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 09:42:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bergökosysteme]]></category>
		<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[nicht-heimische Arten]]></category>
		<category><![CDATA[Pflanzen-Homogenisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Bergstraßen]]></category>
		<category><![CDATA[Differenzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Homogenisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflanzengemeinschaften]]></category>
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					<description><![CDATA[In Zeiten des globalen Wandels und neuartiger Ökosysteme ist die Bewertung der Auswirkungen der Ausbreitung nicht-heimischer Arten auf die Vielfalt heimischer Pflanzengemeinschaften relevanter denn je. Bislang haben sich jedoch nur wenige mit den Bergen befasst, wo Ökosysteme zunehmend von nicht heimischen Pflanzen heimgesucht werden. Hier setzten Meike Buhaly vom Institut für Ökologie der Leuphana und [&#8230;]]]></description>
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<p>In Zeiten des globalen Wandels und neuartiger Ökosysteme ist die Bewertung der Auswirkungen der Ausbreitung nicht-heimischer Arten auf die Vielfalt heimischer Pflanzengemeinschaften relevanter denn je. Bislang haben sich jedoch nur wenige mit den Bergen befasst, wo Ökosysteme zunehmend von nicht heimischen Pflanzen heimgesucht werden. Hier setzten Meike Buhaly vom Institut für Ökologie der Leuphana und ihre Kolleg*innen an. Sie wollten herausfinden, ob nicht-heimische Pflanzenarten zur biotischen Homogenisierung entlang von Straßen in Bergregionen beitragen und wie sich dies entlang von Höhengradienten und über räumliche Skalen hinweg verändert. Du möchtest wissen, was sie herausgefunden haben? Dann lies weiter!</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Homogenisierung von Bergökosystemen durch nicht heimische Arten?“ Keine Ahnung, was das bedeutet&#8230;</strong></h3>



<p>Dann lass uns mit dem Hintergrund beginnen: Während sich die Menschen in natürliche Lebensräume ausbreiten, führen globale Transportnetzwerke dazu, dass sich nicht-heimische Arten nicht nur mit zunehmender Geschwindigkeit weltweit ausbreiten, sondern auch nach oben expandieren. Wie dieser Artikel bereits verraten hat, erhöht die Ausbreitung nicht-heimischer Arten das Risiko einer Homogenisierung von Pflanzengemeinschaften, was eine Verringerung der Vielfalt zwischen den Gemeinschaften bedeutet. Mögliche Folgen sind verminderte Landschaftsvariabilität und Ökosystemleistungen. Für uns ist dies ein dringender Aufruf zum Handeln, um vielfältige Pflanzengemeinschaften zu erhalten. Insbesondere für Bergregionen sind die langfristigen Auswirkungen der Homogenisierung kaum bekannt, und es gibt nicht viele Studien, die mehrere Skalen für höhere Lagen vergleichen. Zu unserem Glück haben Buhaly und ihre Kolleg*innen mit ihrer Studie das Füllen dieser Forschungslücke gestartet.</p>



<p><strong><em>Was du wissen solltest, bevor wir loslegen:</em></strong> <strong><em>Biotische Homogenisierung</em></strong><em> </em><em>tritt auf, wenn zwei oder mehr räumlich verteilte ökologische Gemeinschaften immer ähnlicher werden, wodurch die Beta-Diversität abnimmt.</em> <strong><em>Biotische Differenzierung</em></strong><em> </em><em>hingegen führt zu einer Zunahme der Beta-Diversität, was bedeutet, dass sich die Gemeinschaften weniger ähnlich werden.&nbsp;</em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das Studiendesign und die Vegetationserhebungen in Zahlen</strong></h3>



<p>Um festzustellen, ob die Einführung nicht-heimischer Arten zu einer Homogenisierung oder Differenzierung führt, untersuchten die Forscher*innen lokale, regionale, kontinentale und globale Maßstäbe, indem sie die Unterschiede, also die Beta-Diversität, zwischen Pflanzengemeinschaften entlang von Berggradienten betrachteten. Warum haben sie sich speziell mit Pflanzen an Bergstraßen befasst? Weil Straßen den Übergang darstellen, an dem sich nicht heimische Arten von niedrigen zu hohen Höhenlagen ausbreiten können.</p>



<p>Bist du bereit für ein paar interessante Zahlen?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>In <strong>18 </strong>Bergregionen aller Kontinente (außer der Antarktis) wurden entlang <strong>46</strong> Bergstraßen Vegetationsdaten erhoben.</li>



<li>Die Datensätze wurden im Zeitraum von<strong> 2012 </strong>bis<strong> 2023 </strong>erhoben.</li>



<li>Pro Region wurden <strong>1</strong> bis <strong>4</strong> Höhenstufen ausgewählt, wobei jede Höhenstufe in <strong>20</strong> gleich große Probenahmestellen unterteilt wurde.</li>



<li>Insgesamt ergaben sich damit <strong>687 </strong>Probenahmestellen in allen Regionen, an denen <strong>2627</strong> einheimische und <strong>563</strong> nicht einheimische Arten von Gefäßpflanzen identifiziert wurden.</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="907" height="208" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2.jpg" alt="" class="wp-image-1186" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2.jpg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2-300x69.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2-768x176.jpg 768w" sizes="(max-width: 907px) 100vw, 907px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Eine Visualisierung des Vergleichs der Probenahmestellen in verschiedenen räumlichen Maßstäben. In allen Maßstäben wurden die Höhenunterschiede in niedrige, mittlere und hohe Höhenbänder unterteilt.</em> &#8211; <strong>Abbildung übernommen aus</strong>: Buhaly et al. (2025), Global Ecology and Biogeography, https://doi.org/10.1111/geb.70137, lizenziert unter <strong>CC BY 4.0</strong>.</figcaption></figure>



<p><strong><em>Falls du weitere Details möchtest, kommt hier eine Erklärung der Abbildung:</em></strong> <strong><em>Lokale Ebene:</em></strong><em> </em><em>Analyse von Standorten innerhalb derselben Höhenlage separat für jeden Höhenunterschied innerhalb jeder Region. <strong>Regionale Ebene:</strong> Analyse von Standorten innerhalb derselben Höhenlage über Höhenunterschiede innerhalb jeder Region hinweg. <strong>Kontinentale Ebene:</strong> Analyse von Standorten innerhalb derselben Höhenlage über Höhenunterschiede auf demselben Kontinent hinweg. <strong>Globale Ebene:</strong> Analyse aller Standorte in derselben Höhenlage für alle Höhenunterschiede.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="720" height="540" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2.jpeg" alt="" class="wp-image-1187" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2.jpeg 720w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-2-300x225.jpeg 300w" sizes="(max-width: 720px) 100vw, 720px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Forschungsgebiet auf Teneriffa, Parque Nacional del Teide ©Meike Buhaly</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Ergebnisse, auf die wir gewartet haben: Homogenisierung oder Differenzierung oder beides?</strong></h3>



<p>Zunächst einmal nahm in allen Regionen die Artenvielfalt nicht-heimischer Arten mit zunehmender Höhe ab. Auf globaler Ebene stellten die Forscher*innen eine Homogenisierung der Lebensgemeinschaften durch nicht-heimische Arten fest. Auf lokaler bis kontinentaler Ebene fanden sie jedoch sowohl Homogenisierung als auch Differenzierung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="653" height="348" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3.jpg" alt="" class="wp-image-1188" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3.jpg 653w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3-300x160.jpg 300w" sizes="(max-width: 653px) 100vw, 653px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Unterschiedliche Kontinente – unterschiedliche Ergebnisse:</em> <em>Die Auswirkungen nicht heimischer Arten auf allen Ebenen. Rote überlappende Dreiecke: Homogenisierung. Blaue separate Dreiecke: Differenzierung.</em> &#8211; <strong>Abbildung übernommen aus</strong>: Buhaly et al. (2025), Global Ecology and Biogeography, https://doi.org/10.1111/geb.70137, lizenziert unter <strong>CC BY 4.0</strong>.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verschiedene Maßstäbe sind wichtig</strong></h3>



<p>Wie du in der Abbildung oben sehen kannst, waren die Homogenisierung und Differenzierung der Lebensgemeinschaften überraschenderweise über alle Kontinente hinweg ausgewogen. Die Forscher*innen stellten auch auffällige Unterschiede auf regionaler und lokaler Ebene zwischen den amerikanischen Kontinenten, wo die Homogenisierung vorherrschte, und Asien, Afrika und Europa fest, wo nicht-heimische Arten zu einer Differenzierung der Lebensgemeinschaften führten.</p>



<p>Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Homogenisierung durch die Einführung nicht-heimischer Arten möglicherweise nicht so häufig vorkommt wie ursprünglich angenommen, insbesondere wenn man kleinere Maßstäbe betrachtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein Wort zu unterschiedlichen Höhenlagen</strong></h3>



<p>Die meisten Regionen weisen eine Homogenisierung durch Arteninvasionen in tieferen Lagen auf, wo nicht-heimische Arten am häufigsten vorkommen. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich auch die Lebensgemeinschaften in höheren Lagen in Zukunft zunehmend angleichen könnten, da sich nicht-heimische Arten aufgrund der Klimaerwärmung und des Straßennetzes weiter nach oben ausbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Kein einzelner Mechanismus erklärt alles</strong></h3>



<p>Es ist offensichtlich, dass die Auswirkungen nicht-heimischer Arten je nach Region, Höhenlage und Ausmaß variieren. Homogenisierung und Differenzierung werden durch miteinander verbundene Mechanismen wie Invasionsgeschichte, Artenhäufigkeit, Umweltfilterung und menschliche Landnutzung vorangetrieben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="792" height="594" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3.jpeg" alt="" class="wp-image-1189" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3.jpeg 792w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/02/image-3-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 792px) 100vw, 792px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Forschungsgebiet auf Teneriffa, Parque Nacional del Teide ©Meike Buhaly</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was nehmen wir aus der Studie mit?</strong></h3>



<p>Vor allem kann die Einführung nicht-heimischer Arten zur Homogenisierung der Pflanzengemeinschaften an Straßenrändern beitragen, insbesondere auf globaler Ebene. Dies ist zum Teil auf die Anzahl der nicht-heimischen Arten zurückzuführen, aber auch auf ihre Häufigkeit an mehreren Standorten. Die in der Studie beobachtete Homogenisierung resultiert hauptsächlich aus der <em>Einführung</em> derselben nicht-heimischen Arten in verschiedenen Regionen und nicht aus dem unmittelbaren Verlust heimischer Arten. Eine Homogenisierung durch die <em>Verdrängung</em> einheimischer Arten, die hier zwar nicht untersucht wurde, kann ebenfalls zu möglichen Risiken für die Ökosystemfunktionen und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzenpopulationen führen.</p>



<p>Erinnerst du dich an die überraschende Wendung der Studienergebnisse? Es gab nicht nur eine Homogenisierung, sondern auch eine Differenzierung. Wir müssen bedenken, dass die genauen Auswirkungen der Homogenisierung, der Differenzierung und des Übergangs zwischen diesen beiden Phasen noch nicht genau bekannt sind. Dennoch kann die Differenzierung von Gemeinschaften durch die Hinzufügung nicht-heimischer Arten auch vorteilhaft sein. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels können nicht-heimische Arten möglicherweise die funktionelle Widerstandsfähigkeit von Pflanzengemeinschaften erhöhen. Dennoch dürfen die Risiken der Invasion nicht-heimischer Arten vergessen werden!</p>



<p>Die wichtigste Take-home message: Die globale Homogenisierung könnte ein Zeichen dafür sein, dass sich die Pflanzengemeinschaften in Höhenlagen entlang von Straßen immer ähnlicher werden, da sich nicht-heimische Arten weiter nach oben ausbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein Blick in die Zukunft</strong></h3>



<p>Diese Studie liefert uns die erste globale Bewertung darüber, wie nicht-heimische Pflanzen die Ähnlichkeit von Bergpflanzengemeinschaften entlang von Höhengradienten beeinflussen. In Zukunft benötigen wir Studien, die untersuchen, welche Mechanismen die Homogenisierung und Differenzierung durch nicht-heimische Arten vorantreiben könnten und welche potenziellen Folgen sie für die Funktion und Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen haben.</p>



<p>Fortsetzung folgt…</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Du möchtest mehr über die Auswirkungen nicht-heimischer Arten auf Pflanzengemeinschaften in Bergregionen und die Ergebnisse der Studie erfahren? Dann kannst du hier den vollständigen Artikel lesen: <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/geb.70137">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/geb.70137</a></p>



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		<item>
		<title>Weniger Landnutzung, mehr Insekten: Die Extensivierung von Grasland fördert die Häufigkeit von Wirbellosen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacqueline Poertner&nbsp;&&nbsp;Michael Staab]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 10:30:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Insekten]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Landnutzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Es überrascht dich sicherlich nicht, dass der Verlust von Lebensräumen und die Verschlechterung von Ökosystemen durch intensive Landnutzung eine globale Bedrohung für die Artenvielfalt darstellen. So ist beispielsweise die intensive Landnutzung einer der Gründe für den weit verbreiteten Rückgang von Insekten und anderen Wirbellosen. Werfen wir einen genaueren Blick auf Grünland. Obwohl es eine reiche [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Es überrascht dich sicherlich nicht, dass der Verlust von Lebensräumen und die Verschlechterung von Ökosystemen durch intensive Landnutzung eine globale Bedrohung für die Artenvielfalt darstellen. So ist beispielsweise die intensive Landnutzung einer der Gründe für den weit verbreiteten Rückgang von Insekten und anderen Wirbellosen. Werfen wir einen genaueren Blick auf Grünland. Obwohl es eine reiche Vielfalt an Pflanzen und Tieren, darunter auch Wirbellose, beherbergt, ist es besonders anfällig für intensive Landnutzung.</p>



<p>Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Michael Staab, Professor für Tierökologie und Trophische Interaktionen am Institut für Ökologie der Leuphana Universität, und Kolleg*innen untersuchte, ob die Wiederherstellung von Grünland durch eine Reduzierung der Landnutzung die Insektenhäufigkeit und die -diversität fördern kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Erforschung von Biodiversitätsexperimenten: Das Design der Studie</strong></h3>



<p>Staab et al. untersuchten die Auswirkungen der Landnutzungsintensität auf Wirbellose anhand eines neu eingerichteten Extensivierungsversuchs, der Teil der <a href="https://www.biodiversity-exploratories.de/de/">Biodiversitäts-Exploratorien</a> ist. Dieser Rahmen wurde genutzt, um zu verstehen, wie die Auswirkungen einer reduzierten Landnutzung vom lokalen Kontext sowie von spezifischen Bewirtschaftungsentscheidungen abhängen, die alle Teil der Landnutzung sind.</p>



<p><strong>Wie haben sie herausgefunden, was wirklich der Fall ist? </strong>Die Studie wurde an 45 Grünlandstandorten in drei verschiedenen Regionen Deutschlands durchgeführt. An jedem Standort verglichen die Forscher*innen eine regelmäßig bewirtschaftete Kontrollfläche mit einer nahe gelegenen Versuchsfläche, auf der die Landnutzung experimentell reduziert wurde, also nur einmal pro Jahr spät gemäht und weder gedüngt noch beweidet wurde. Im Jahr 2021 und 2023, ein bzw. drei Jahre nach Beginn des Experiments, wurden auf beiden Plots Wirbellose gesammelt. Im Jahr 2021 wurden die Proben mittels DNA-Metabarcoding identifiziert, was eine gründliche Artenbestimmung ermöglichte. Anschließend analysierte das Team Unterschiede in Bezug auf Häufigkeit, Vielfalt und Artenzusammensetzung und untersuchte, wie Faktoren wie Mähhäufigkeit, Düngung und Mähtechnik in der umgebenden Matrix sowie Bewirtschaftungsentscheidungen auf der Reduktionsfläche das Ausmaß der Auswirkungen der Landnutzungsreduzierung beeinflussten. Bei den Ergebnissen ist zu beachten, dass für die zweite Probenahme im Jahr 2023 keine Daten zur Artenvielfalt vorlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="413" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1.jpg" alt="" class="wp-image-1166" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1.jpg 683w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1-300x181.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /><figcaption class="wp-element-caption">Überblick über Studiendesign und Hypothese</figcaption></figure>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="786" height="523" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-9.jpeg" alt="" class="wp-image-1167" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-9.jpeg 786w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-9-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-9-768x511.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 786px) 100vw, 786px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zum Sammeln von Arthropoden wurde ein Biozönometer verwendet, was im Wesentlichen ein riesiger Staubsauger ist</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Ergebnisse: Eine Pause für Grünland ist ein Gewinn für Insektenzahlen</strong></h3>



<p>Die Reduzierung der Landnutzung auf eine späte Mahd erhöhte die Bestandsdichte, also die Anzahl der Individuen von Wirbellosen, um 41 %. Aber es wird noch besser: Nach drei Jahren war die Häufigkeit in den Plots mit reduzierter Landnutzung um ganze 99 % höher. Der Artenreichtum, die Shannon-Diversität und die Simpson-Diversität zwischen den Behandlungs- und Kontrollplots waren jedoch nach einem Jahr nahezu identisch. Folglich hatte die Behandlung mit reduzierter Landnutzung einen positiven, im Laufe der Zeit zunehmenden Effekt auf die Häufigkeit der Wirbellosen, jedoch nicht auf ihre Diversität.</p>



<p><em><strong><em>Info: Artenreichtum, Shannon-Diversität und Simpson-Diversität</em></strong></em><br><em>Artenreichtum bedeutet einfach die Anzahl der Arten in einem Gebiet, während die Shannon-Diversität sowohl die Anzahl der Arten als auch die Gleichmäßigkeit der Verteilung der Individuen untereinander berücksichtigt. Sie steigt, wenn viele Arten in ähnlicher Häufigkeit vorkommen. Die Simpson-Diversität umfasst ebenfalls Artenreichtum und Gleichmäßigkeit, gewichtet jedoch häufige Arten stärker. Sie spiegelt wider, wie dominant die am häufigsten vorkommenden Arten sind.&nbsp;</em></p>



<p>Doch das ist noch nicht alles. In beiden Jahren hing das Ausmaß der Auswirkungen der Behandlung auf die Bestandsdichte von der Art der Landnutzung der umliegenden Wiesen und davon ab, wie die Fläche mit reduzierter Landnutzung im Vorjahr gemäht worden war. Die Auswirkungen der reduzierten Landnutzung waren geringer, wenn die Umgebung zuvor häufiger gemäht worden war. Im Gegensatz dazu nahm der positive Effekt der Extensivierung auf stärker gedüngten Standorten zu. Ebenso war der Effekt auch größer, wenn die Fläche mit reduzierter Landnutzung mit einer größeren Schnitthöhe gemäht wurde und wenn die Behandlungs- und Kontrollfläche nicht am selben Tag gemäht wurden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wir müssen ein paar Dinge besprechen:</strong></h3>



<p><strong>Warum eine Zunahme der Bestandsdichte, aber nicht der Vielfalt?</strong><br>Eine Verringerung der Landnutzungsintensität führt zu einem raschen Anstieg der Anzahl der Wirbellosen, was laut den Autor*innen als positive Reaktion bereits lokal vorhandener Arten interpretiert werden kann, deren Populationen von der geringeren Störung profitieren. Wie man sich leicht vorstellen kann, werden durch selteneres Mähen weniger Insekten getötet. Die Artenvielfalt hingegen hat sich nach einem Jahr nicht verändert, was darauf hindeutet, dass die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt länger dauert. Darüber hinaus blieb die Artenzusammensetzung ein Jahr nach Beginn der Extensivierung unverändert, was auf ein starkes Erbe der früheren intensiven Landnutzung hindeutet. Aufgrund fehlender Daten zur Artenvielfalt für die Probenahme im Jahr 2023 wissen wir nicht, ob drei Jahre nach der Einführung der reduzierten Landnutzung die Artenvielfalt zugenommen hätte oder sich die Artenzusammensetzung verändert hätte. Das herauszufinden ist nun die Aufgabe von Folgestudien.</p>



<p><strong>Lokale Landnutzungskontexte und Details der Bewirtschaftung sind von Bedeutung</strong><br>Die positiven Auswirkungen auf die Bestandsdichte waren in häufig gemähten Landschaften geringer, wahrscheinlich aufgrund der Verarmung der umliegenden Populationen. Daher ist eine Reduzierung der Landnutzung in häufig gemähtem Grünland möglicherweise weniger effizient, es sei denn, das Gebiet ist mit anderen ungemähten oder größeren Lebensräumen verbunden. Die stärkeren Auswirkungen, die in stark gedüngtem Grünland beobachtet wurden, waren wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Produktivität nach Beendigung der Düngung zunächst hoch blieb und somit mehr pflanzliche Ressourcen für die Wirbellosen zur Verfügung standen. Die Ergebnisse, die zeigen, dass das Mähen der Wiese in größerer Höhe und das Nichtmähen der gesamten Fläche am selben Tag weniger schädlich für Insekten ist, belegen, dass Insekten Rückzugsgebiete benötigen. Wenn wir also Insekten bei der Wiederherstellung von Wiesen fördern wollen, müssen wir räumlich und zeitlich unterschiedliche Mährhythmen anwenden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was sind die wichtigsten Erkenntnisse für den Insektenschutz?</strong></h3>



<p>Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer langfristigen, nachhaltigen Extensivierung für eine erfolgreiche Wiederherstellung von Grünland, wobei deren Wirksamkeit für den Schutz von Wirbellosen je nach lokalem Kontext variiert. Es ist klar, dass die Wiederherstellung von Grünland eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Insektenrückgangs spielen kann, während eine höhere Anzahl von Wirbellosen auch insektenfressende Vögel und wichtige Ökosystemfunktionen unterstützt. Dennoch müssen bei den Wiederherstellungsbemühungen verschiedene Biodiversitätsziele gegeneinander abgewogen werden: Während eine mittlere Mähfrequenz die Pflanzenvielfalt erhöhen kann, kann sie sich nachteilig auf Wirbellose auswirken. Um die Ergebnisse der Renaturierung sowohl für Pflanzen als auch für Insekten zu maximieren, ist daher ein landschaftlicher Ansatz mit verschiedenen Maßnahmen erforderlich, die auch die Heterogenität und die Konnektivität der Lebensräume erhöhen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Du möchtest mehr über die Studie und ihre Ergebnisse erfahren? Dann kannst du hier den vollständigen Text lesen: &nbsp;<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1439179125000738?via%3Dihub">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1439179125000738?via%3Dihub</a></p>



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		<title>Über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der ökologischen Forschung an der Leuphana &#8211; Ein Symposium des Instituts für Ökologie</title>
		<link>https://ecology.web.leuphana.de/de/uber-die-vergangenheit-gegenwart-und-zukunft-der-okologischen-forschung-an-der-leuphana-ein-symposium-des-instituts-fur-okologie-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacqueline Poertner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 10:22:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg feiert ihr 15-jähriges Jubiläum – und ist damit in ganz Deutschland einzigartig. Um diesen Meilenstein zu würdigen, veranstalten die einzelnen Institute der Fakultät eigene Events. Auch das Institut für Ökologie ließ es sich nicht nehmen, mitzufeiern. Am 05. November begaben sich die Institutsangehörigen, Praxispartner*innen und ein breites Publikum [&#8230;]]]></description>
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<p id="block-5dadc3f0-f439-43e6-ada0-52b714d03d01">Die Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg feiert ihr 15-jähriges Jubiläum – und ist damit in ganz Deutschland einzigartig. Um diesen Meilenstein zu würdigen, veranstalten die einzelnen Institute der Fakultät eigene <a href="https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/ueber-die-fakultaet/jubilaeum-fakultaet-nachhaltigkeit.html">Events</a>. Auch das Institut für Ökologie ließ es sich nicht nehmen, mitzufeiern. Am 05. November begaben sich die Institutsangehörigen, Praxispartner*innen und ein breites Publikum aus Ökologie-Interessierten auf eine Reise durch die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der ökologischen Forschung an der Leuphana. Mit mehr als 80 Gästen und bei einem Ausblick auf die bunten Bäume des Campus und herbstlicher Nachmittagssonne eröffneten <strong>Prof. Dr. Vicky Temperton</strong>, Leiterin des Instituts, und die Moderatorin <strong>Dr. Agnes Friedel</strong>, Referentin für Qualitätsmanagement und Studiengangsentwicklung in der Fakultät, die Veranstaltung.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image.jpeg" alt="" class="wp-image-1144" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Eine Zeitreise durch die Ökologie</strong></h3>



<p>In der ersten Hälfte wurden die Teilnehmenden mit Tandemvorträgen der Professor*innen des Instituts durch die verschiedenen Forschungsbereiche geführt. Dabei traten ehemalig leitende oder langjährige Professor*innen zusammen mit den aktuell leitenden Professor*innen der jeweiligen Bereiche auf. Den Startschuss für die Zeitreise gaben <strong>Prof. Dr. Brigitte Urban</strong>, Leiterin der Arbeitsgruppe für Landschaftswandel, und <strong>Prof. Dr. Vicky Temperton</strong> ab, mit einem Blick darauf, was uns die Geschichte der Ökologie über die Gegenwart und Zukunft erzählen kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1.jpeg" alt="" class="wp-image-1145" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-1-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Brigitte Urban stellte mehrere Forschungsvorhaben zur ökologischen Geschichte vor. Angesichts der zunehmenden menschlichen Einflüsse auf unsere Umwelt ist es besonders relevant, ehemalige Ökosysteme zu rekonstruieren, um den heutigen Zustand zu verstehen und ein effektives Landschaftsmanagement zu ermöglichen. Während die Vergangenheit uns lehrt, dass Besiedlung und menschliche Landnutzung vielerorts langfristige Probleme wie Bodenerosion auslösen können, gibt es auch positive Beispiele für natürliche Widerstandsfähigkeit. Eine gute Nachricht liefern hier die Moore: Forschungen zur historischen Entwicklung von Hochmoorvegetation verraten, dass Hochmoore bis in die Neuzeit eine hohe Anpassungsflexibilität gegenüber rein klimatisch bedingten Veränderungen besitzen. Jedoch steigt der Druck auf Hochmoore durch die menschliche Nutzung und den Klimawandel, wodurch diese Flexibilität auf die Probe gestellt wird. Geht man noch weiter in die Vergangenheit zurück, etwa bis in die letzte Warmzeit vor ungefähr 125.000 bis 115.000 Jahren, so stößt man auf sehr große Pflanzenfresser, die sogenannten Megaherbivoren. Sie spielten möglicherweise eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Vegetation. Wie sähe unsere Landschaft wohl heute aus, wenn es noch Megaherbivoren gäbe? Brigitte Urban forscht nach.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-4.jpeg" alt="" class="wp-image-1147" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-4.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-4-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-4-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Geschichte der Ökologie selbst in die Hand nehmen</strong></h3>



<p>Was passiert mit Ökosystemen, wenn Arten verloren gehen? Und wie werden Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen dadurch beeinträchtigt? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich Vicky Temperton in ihrer Forschung. Beim Erhalt und der Wiederherstellung der Biodiversität geht es nicht nur um Artenvielfalt, sondern auch darum, welche Pflanzen mit welchen Funktionen und Interaktionen eine Rolle spielen. Aufgrund des zunehmenden Biodiversitätsverlustes wird es immer wichtiger, die Entwicklung von Pflanzengemeinschaften zu verstehen, um Biodiversität wiederherstellen zu können. „Prioritätseffekte“ zeigen, dass die Entwicklungsgeschichte einer Gemeinschaft, durch zuerst angekommene Arten, nicht nur die Artenzusammensetzung, sondern auch Ökosystemfunktionen beeinflusst. Frau Temperton zeigte dem Publikum, dass Ökolog*innen bei der Zeitreise durch die Entwicklung von Pflanzengemeinschaften nicht nur Zuschauer*innen sind, sondern die Geschichte der Pflanzen selbst verändern können und vielleicht sogar sollten, um Biodiversität oder bestimmte Funktionen zu fördern. So könnten positive Interaktionen bestimmter Artengruppen genutzt werden und die Reihenfolge der Ankunft der Pflanzen in einem bestimmten Ökosystem verändert werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Künstliche Intelligenz zur Hilfe</strong></h3>



<p>Als Ausblick der Forschung blieb keiner der Tandemvorträge ohne die Vorstellung neuer Forschungsmethoden und -vorhaben in den jeweiligen Bereichen. Ein Blick in die Zukunft der Ökologie zeigt, dass maschinelles Lernen mithilfe von KI in Biodiversitäts-Experimenten tatsächlich zum gewünschten Durchbruch führen kann. So ist KI sowohl als Messwerkzeug als auch für die interdisziplinäre Integration von ökologischem Wissen hilfreich.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein Plädoyer für Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis</strong></h3>



<p>Am Ende des ersten Tandemvortrags kam die große Frage auf, wie sich all dieses gesammelte ökologische Wissen in der Gesellschaft integrieren lässt. Haben Sie schon einmal etwas von Reallaboren gehört? In diesem Format erarbeiten Akteure aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam Problemlösungen. Im Vordergrund steht dabei das gegenseitige Lernen in einem experimentellen Umfeld. Für Vicky Temperton sind Reallabore in der sozial-ökologischen Forschung zur Renaturierung degradierter Ökosysteme wichtig. „Wenn Reallabore hochskaliert werden, bringen sie großes Potenzial für eine Transformation mit sich.“, so die Professorin für Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen. Und diese Transformation mit einer Balance zwischen ökologischer und sozialer Perspektive ist unbedingt notwendig, um Ökosysteme erfolgreich zu renaturieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-2.jpeg" alt="" class="wp-image-1146" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-2.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-2-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-2-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Insekten sind unglaublich wichtig für alles, was wir tun“</strong></h3>



<p>Weiter in der Zeitreise ging es mit <strong>Prof. Dr. Michael Staab</strong>, der die Abteilung für Tierökologie und trophische Interaktion leitet. Er gab, auch stellvertretend für den verhinderten <strong>Prof. Dr. Thorsten Assmann</strong>, Professor für Ökologie mit Schwerpunkt Tierökologie, Einblicke in die große Vielfalt und Bedeutung von Insekten und deren Ökosystemfunktionen. Auch in der Tierökologie spielt die Vergangenheit eine große Rolle, wie Thorsten Assmanns Forschung zur Bedeutung der Eiszeiten für die heutige ökologische Zusammensetzung zeigt. Der Käfer-Experte ist zudem der Einzige, der durch ein Biodiversitätsmonitoring in der Lüneburger Heide den Rückgang von Laufkäfern dargestellt hat. Das rasant steigende Artensterben ist in der tierökologischen Forschung ein ständiger Begleiter und Grundlage vieler Forschungsvorhaben.</p>



<p>So beschäftigt sich Michael Staab unter anderem damit, wie Interaktionen zwischen Arten ökosystemrelevante Funktionen hervorbringen. Was ändert sich in der Biodiversität und in den Interaktionen, wenn sich die Umwelt ändert? Untersuchungen von Bäumen in Südostchina zeigen, dass es bei mehr Arten auch mehr Interaktionen gibt. Ein Rückgang der Arten kann sich also wesentlich auf die Interaktionen zwischen den verbleibenden Arten auswirken – und das nicht im positiven Sinne. Ein weiterer Schwerpunkt von Staabs Forschung ist der Einfluss der Landnutzungsintensität auf die Insektenvielfalt. Seine Forschung zeigt: Wo die Landnutzung besonders intensiv ist, wird die Landschaft homogen und auch das Mikroklima in Ökosystemen verliert seine Vielfalt. In einem neuen Projekt sollen Drohnenaufnahmen genutzt werden, um zu erforschen, wie sich die mikroklimatischen Bedingungen durch verschiedene Formen der Landnutzung ändern und dadurch Insekten ihre Lebensräume verlieren. Eine Folge des Verlustes von Insekten: Schwindet die Insektenvielfalt, gerät das ökologische Gleichgewicht ins Wanken. Um das zu verhindern, braucht es eine weniger intensive Nutzung – etwa durch extensive Beweidung und zeitlich gestaffelte Mahd.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-3.jpeg" alt="" class="wp-image-1148" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-3.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-3-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-3-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Das Artensterben ist der Verlust des naturhistorischen Gedächtnisses unserer Erde.“</strong></h3>



<p>„Können wir uns das leisten?“, fragte <strong>Prof. Dr. Werner Härdtle</strong>, Professor für Landschaftsökologie und Naturschutz. Er vollendete die Vortragsreise zusammen mit <strong>Prof. Dr. Sylvia Haider</strong>, der Leiterin der Arbeitsgruppe für Vegetationsökologie und Biodiversitätsforschung. Die klare Botschaft der beiden: Artenarmut ist keine Option – pflanzliche Vielfalt sichert Ökosystemfunktionen. Mit eindrucksvollen Bildern verglich Werner Härdtle das Abbrennen der tropischen Regenwälder mit dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar vor 20 Jahren, bei dem Tausende weltweit einzigartiger Bücher verbrannten. Dieser Vergleich veranschaulichte den enormen Verlust an Arten bei der Vernichtung der Regenwälder. Härdtle berichtete von jahrzehntelanger Forschung in den Subtropen Chinas, bei der 400.000 Bäume gepflanzt wurden, um den Einfluss der Artenvielfalt experimentell zu untersuchen. Mit leuchtenden Augen und ansteckender Begeisterung stellte der Professor das Ergebnis vor: Eine reiche Baumartenvielfalt kann die Produktivität der Wälder um bis zu 100 % steigern. Zudem helfen diese Effekte, wenn die Bäume unter Stress stehen, etwa durch den Klimawandel. Trockenheitsempfindliche Arten werden durch die Biodiversität stärker unterstützt. Solche Biodiversitätseffekte brauchen jedoch Zeit und die sollten wir der Natur geben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-5.jpeg" alt="" class="wp-image-1149" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-5.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-5-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-5-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Sylvia Haider fokussierte sich auf die Gegenwart und Zukunft der Biodiversitätsforschung. Sie betonte die Rolle der funktionellen Biodiversität, also der Vielfalt unterschiedlicher funktioneller Merkmale. Auch diese Art der Biodiversitätsforschung zieht veränderte Umweltbedingungen durch Klimawandel, von Menschen verursachte Störungen und die Einführung invasiver Arten, und deren Einfluss auf funktionelle Merkmale in Betracht. Haider und ihre Kolleg*innen sind Teil einer weltweit fast einzigartigen Arbeitsgruppe, die die funktionellen Merkmale von Bäumen zwischen Arten, innerhalb von Arten und auch innerhalb von Individuen misst. Das Ergebnis: Eine hohe funktionelle Diversität geht mit einer hohen Vielfalt an Ökosystemfunktionen einher. Überraschenderweise kommt dabei ein substanzieller Anteil der Variabilität aus der Individualität der Bäume.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Neue Lebensräume in der Höhe</strong></h3>



<p>Richten wir den Blick zum Abschluss noch einmal auf eine andere Ebene, und zwar auf die der Gebirge und der Forschung zur Pflanzendiversität entlang von Höhengradienten. Wie verändern sich die Ökosysteme in vulnerablen Gebirgsregionen und welchen Einfluss haben dabei gebietsfremde, eingewanderte Arten? In der Fragerunde kam das Thema der infolge des Klimawandels stattfindenden Migration von Arten in die Höhe auf. Einerseits entstehen dadurch neue Lebensräume, was zum Schutz von Arten führen kann, so Haider. Andererseits werden auch bestehende Interaktionen auseinandergerissen und Arten, die vorher in den Gebirgen spezialisiert waren, werden von migrierenden Arten verdrängt. Nun muss erforscht werden, wie sich diese Verschiebung in Zukunft auf die Biodiversität in der Höhe auswirkt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-7.jpeg" alt="" class="wp-image-1151" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-7.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-7-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-7-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Quo vadis Ökologie?“ – Eine Podiumsdiskussion mit Blick in die Praxis und in die Zukunft</strong></h3>



<p>Mit sinkender Sonne im Gesicht und Fragen zur Zukunft der ökologischen Forschung im Kopf ging es nach einer kurzen Pause zur Stärkung mit der Podiumsdiskussion weiter. Auf dem Podium saßen <strong>Prof. Dr. Andreas Fichtner</strong>, Professor für Vegetationsökologie und Biodiversitätsforschung, aus der Praxis <strong>Dr. Heike Brenken</strong>, Landschaftsplanerin im Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide, sowie <strong>Prof. Dr.</strong> <strong>Vicky Temperton</strong> und <strong>Prof. Dr.</strong> <strong>Michael Staab</strong>. Über der ersten Hälfte der Diskussion schwebte die große Frage nach der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Praxis und dem Gelingen einer Transformation hin zu Nachhaltigkeit.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="605" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-6.jpeg" alt="" class="wp-image-1150" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-6.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-6-300x200.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/12/image-6-768x512.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Wir können einfach nicht so weiter machen, es gibt keine drei Erden!“</strong></h3>



<p>&#8211; betonte Vicky Temperton. Wie können die Ergebnisse von Reallaboren breit umgesetzt und Praxispartner*innen dabei mit einbezogen werden? Laut Temperton sind für die Hochskalierung solcher Projekte nicht nur die Ergebnisse wichtig, sondern auch der Prozess selbst. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure wird Vertrauen aufgebaut, ohne welches eine Transformation nicht möglich ist. Heike Brenken spricht aus ihrer Praxiserfahrung, wenn sie sagt, dass die Grundlagenforschung der Wissenschaft zwar wichtig ist, es aber auch Hilfe braucht, um die Ergebnisse vor Ort umzusetzen. Hier sind vor allem die Verwaltung und die Politik gefragt. Wichtig sei auch mal ein Artikel in der Lokalzeitung oder ein Vortrag auf dem Hoffest, um das Verständnis der Bürger*innen für Naturschutz zu erhöhen. Als Antwort auf den Appell an die Verwaltung meldete sich aus dem Publikum eine Stimme aus der Unteren Naturschutzbehörde Lüneburgs. Der Teilnehmer versicherte, dass auch in der Verwaltung das Bemühen vorhanden sei, doch stoße man oft auf viele Auflagen. Die Stellschraube liegt also auch bei den Menschen, die die Regularien für Natur- und Artenschutz verändern können. Ein Hoffnungsschimmer könnten die Student*innen sein, die an der Universität als „change agents“ ausgebildet werden, um später mit einem breiten thematischen Überblick die Schnittstelle zwischen Praxis und Wissenschaft zu bilden.</p>



<p>Im Endspurt der Zeitreise lenkte die Moderatorin Agnes Friedel den Blick abschließend auf die drängenden ökologischen Fragen der nächsten 15 Jahre vor dem Hintergrund des Globalen Wandels. Andreas Fichtner sprach von drei wichtigen Säulen der Zukunft: Stabilität der Ökosysteme, Anpassung an den Globalen Wandel und ein respektvollerer Umgang mit unserer Umwelt. In der Umsetzung werde jedoch oft die Kernbotschaft der Forschung nicht verstanden. Dabei spielen unsere Werte eine besondere Rolle. Was finden wir wichtig? Was motiviert uns? Das Verständnis und Bewusstsein für die Auswirkungen des Globalen Wandels auf Ökosysteme, die Ökolog*innen bei ihrer Forschung erfahren, muss sich in der Gesellschaft verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Aber was sind denn nun ganz konkrete Schritte, um Biodiversität zu schützen?</strong></h3>



<p>&#8211; fragte sich ein Teilnehmer und vielleicht auch manche Leser*innen dieses Artikels. Es gibt vieles, das für den Erhalt der Biodiversität getan werden kann und sollte. Hier ein paar Vorschläge aus Podium und Publikum: &nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das Bewusstsein, dass wir ohne die Natur nicht leben können, in der Gesellschaft und Politik verbreiten</li>



<li>Landnutzung ändern, etwa durch weniger Fleischkonsum</li>



<li>Ökologische Leistungen auch in der Ökonomie honorieren</li>



<li>Bereiche wie Agrar- und Forstwirtschaft umweltorientierter und weniger produktionsorientiert gestalten</li>



<li>Die Motivation für Umweltschutz schon in frühem Alter in der Schule erzeugen</li>
</ul>



<p>Dabei liegt die Verantwortung zu einem großen Teil bei der Politik, doch auch Graswurzelbewegungen aus der Gesellschaft heraus sind gefragt. Das Podium und auch das Publikum waren sich einig: Die Menschen müssen für den Schutz der Biodiversität brennen!</p>



<p>Unsere Reise durch verschiedene Zeiten und Forschungsbereiche hat gezeigt, dass Kommunikation eine zentrale Rolle für den Schutz von Biodiversität und Ökosystemen spielt – denn nur, wenn wir miteinander im Austausch bleiben und zusammenarbeiten, können wir dieses Ziel erreichen. Mit diesen Schlussworten verabschiedete Agnes Friedel die Teilnehmenden des Symposiums in den Abend. Und mit diesem Gedanken verabschiedet auch dieser Artikel seine Leser*innen auf ihrem weiteren Weg in eine Zukunft, die bedeutender für die Entwicklung der Ökologie nicht sein könnte. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Fotos: ©Jennifer Fandrich / Leuphana</p>



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		<title>Renaturierung und Klimaschutz: ein Realitätscheck</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Aug 2025 07:56:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Kohlenstoffspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom lokalen Versprechen, Bäume zu pflanzen, bis hin zu globalen Kampagnen zur Wiederbewaldung – die Renaturierung von Ökosystemen ist zu einem Slogan geworden, der für Klimaschutzmaßnahmen wirbt. Aber kann die Natur wirklich genug Kohlenstoff aufnehmen, um uns zu helfen, die globalen Klimaziele zu erreichen? Eine neue, in Nature Geoscience veröffentlichte Studie von Tölgyesi et al. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vom lokalen Versprechen, Bäume zu pflanzen, bis hin zu globalen Kampagnen zur Wiederbewaldung – die Renaturierung von Ökosystemen ist zu einem Slogan geworden, der für Klimaschutzmaßnahmen wirbt. Aber kann die Natur wirklich genug Kohlenstoff aufnehmen, um uns zu helfen, die globalen Klimaziele zu erreichen? Eine neue, in Nature Geoscience veröffentlichte Studie von Tölgyesi et al. (2025), an der auch Vicky Temperton vom Leuphana Institut für Ökologie beteiligt ist, legt nahe, dass wir unsere Erwartungen neu kalibrieren müssen.</p>



<p>Ihre Botschaft ist klar: Renaturierung wird nur eine begrenzte Rolle bei der Abschwächung des Klimawandels spielen. Das macht sie jedoch nicht weniger wichtig für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Stärkung der Resilienz von Ökosystemen und die lokale Anpassung an den Klimawandel.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein ganzheitlicher Ansatz für globale Renaturierung</h3>



<p>Frühere Studien über das Potenzial der Kohlenstoffbindung durch Renaturieurng konzentrierten sich auf die Wälder und den gesamten Kohlenstoffbestand und gingen davon aus, dass die Wiederherstellung bis zu zwei Drittel der Kohlenstoffemissionen ausgleichen könnte. Diese Schätzungen basierten jedoch auf ungenauen, unsicheren und unrealistischen Annahmen, z. B. über die Verfügbarkeit von Land für Renaturierungsmaßnahmen oder die politische Durchführbarkeit.</p>



<p>Tölgyesi, Temperton und ihre Kolleg:innen verfolgten einen breiteren Ansatz. Sie:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>modellierten das Wiederherstellungspotenzial für vier wichtige Ökosysteme: Wälder, Buschland, Grünland und Feuchtgebiete, indem sie eine umfangreiche Datenbank mit hochauflösenden Satellitendaten verwendeten.</li>



<li>setzten maschinelles Lernen ein zur Vorhersage des potenziellen Deckungsgrads einheimischer Ökosystemtypen an terrestrischen Standorten unter Verwendung von Klima-, Boden- und topografischen Prädiktoren</li>



<li>schätzten die Kohlenstoffbindung anhand jährlicher Raten, nicht der Gesamtbestände, über den Zeitraum von 2030 bis 2100 für insgesamt 12 Biom-Ökosystem-Kombinationen (z. B. gemäßigte Wälder, tropisches Grünland).</li>



<li>filterten die für die Wiederherstellung verfügbare Fläche, indem Gebiete ausgeschlossen wurden, die intakt oder bebaut sind, intensiv bewirtschaftet werden oder eine geringe Produktivität aufweisen (z. B. polare oder trockene Regionen).</li>



<li>berücksichtigten künftige Klimaszenarien und Zustandsänderungen von Ökosystemen, die zu Verlusten bei bestehenden Kohlenstoffvorräten führen können.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Das sind die Ergebnisse</h3>



<p>Die Studie schätzt, dass durch Renaturierung der maximal verfügbaren Fläche unter den derzeitigen Klimabedingungen bis zum Jahr 2100 96,9 Gigatonnen Kohlenstoff (Gt C) gebunden werden könnten. Das scheint viel zu sein, oder? Der Realitätscheck zeigt: Das sind gerade einmal 17,6 % der gesamten bisherigen anthropogenen Emissionen oder zwischen 3,7 % und 12,0 % der prognostizierten künftigen Emissionen (also je nach den vier verwendeten globalen Emissionsszenarien, den so genannten Shared Socioeconomic Pathways).</p>



<p>Aber, und das ist der Knackpunkt, wenn die Renaturierung an die zukünftigen Klimabedingungen angepasst wird und die zu erwartenden Zustandsänderungen der Ökosysteme (z. B. Umwandlung von Wald in Savanne) berücksichtigt werden, sinkt der Kohlenstoffnutzen auf fast Null. Das scheint zunächst ziemlich ernüchternd zu sein. Doch diese realistische Einschätzung ist äußerst wichtig und birgt Chancen für den Klima- und Naturschutz. Und warum? Lesen Sie weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein wichtiger Vergleich: Wälder vs. offene Ökosysteme</h3>



<p>Eine große Stärke dieser Studie ist, dass sie über Bäume und Wälder hinausgeht. Grünland, Buschland und Feuchtgebiete (offene Ökosysteme) werden oft übersehen, obwohl sie beträchtliche Mengen an Kohlenstoff speichern (insbesondere unterirdisch), eine höhere Albedo haben und widerstandsfähiger gegen Feuer und Dürre sind.</p>



<p>Im realistischsten Renaturierungsszenario dieser Studie stammen etwa 58 % der Kohlenstoffgewinne aus Wäldern, 42 % aus offenen Ökosystemen. Diese ausgewogene Sichtweise trägt dazu bei, den Fehler zu vermeiden, Bäume dort zu pflanzen, wo sie nicht hingehören &#8211; ein unbedachtes Vorgehen, das derzeit stattfindet und der biologischen Vielfalt sowie den lokalen Nährstoff- und Wasserkreisläufen schaden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politische Folgerung: Weniger Kohlenstoff, mehr Resilienz</h3>



<p>Was sollten wir also daraus lernen?</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Ein sehr wichtiger Punkt: Die Renaturierung von Ökosystemen ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, nur eben nicht als Allheilmittel gegen den Klimawandel.</li>



<li>Renaturierung sollte daher eher im Interesse der biologischen Vielfalt, der Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und der lokalen Anpassung an den Klimawandel erfolgen.</li>



<li>Es kommt darauf an, Prioritäten zu setzen: Die Forschenden identifizierten spezifische 100×100 km große Prioritätszonen, in denen Renaturierung den größten Nutzen für den Kohlenstoffgehalt bringen könnte, darunter auch gemäßigte Gebiete wie amerikanische Prärien und zentralasiatische Steppen und nicht nur die zuvor priorisierten tropischen Regenwaldregionen.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">Wir brauchen ein Umdenken</h3>



<p>Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass Renaturierung neu positioniert werden sollte: von einem Instrument zur Emissionsreduktion zu einer Strategie für Klimaanpassung, Schutz der biologischen Vielfalt und Unterstützung von Ökosystemleistungen. Dies ist auch in wichtigen politischen Maßnahmen und Agenden wie dem EU-Renaturierungs-Gesetz 2024 und der UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen bereits enthalten. Es ist jedoch eine klarere Kommunikation darüber erforderlich, was Renaturierung leisten kann und was nicht.</p>



<p>Anstatt Kohlenstoffgutschriften nachzujagen, sollten wir Ökosysteme wiederherstellen, um Mensch und Natur bei der gemeinsamen Anpassung an eine ungewisse Klimazukunft zu unterstützen.</p>



<p>Diese Studie ist ein wichtiger Meilenstein, nicht nur für die Wissenschaft an der Leuphana, sondern auch für die globale Gemeinschaft der Renaturierungsforschung. Sie setzt einen neuen Maßstab dafür, wie das Renaturierungspotenzial bewertet werden sollte: mit ökologischem Feingefühl, räumlichem Realismus und Klimavorausschau.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Sie können das Paper hier lesen und teilen: <a href="https://www.nature.com/articles/s41561-025-01742-z">https://www.nature.com/articles/s41561-025-01742-z</a></p>



<p>Die Mitteilung der Nachhaltigkeitsfakultät zur Studie finden Sie hier: <a href="https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/aktuell/ansicht/2025/08/06/neue-wissenschaftliche-belege-fuer-unwirksame-und-ungerechte-klimapolitik.html ">https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/aktuell/ansicht/2025/08/06/neue-wissenschaftliche-belege-fuer-unwirksame-und-ungerechte-klimapolitik.html </a></p>
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		<title>Wo Wald auf Steppe trifft: Europas Hotspots der Pflanzenvielfalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Aug 2025 10:11:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[paper]]></category>
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					<description><![CDATA[Was passiert, wenn trockene Steppe auf feuchten Wald trifft? In Ostmitteleuropa führt diese ungewöhnliche ökologische Überschneidung zur Entstehung eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. Eine aktuelle Studie von Roleček et al. (2025) kartiert, definiert und charakterisiert diese Ökosysteme, die als perikarpathisches Waldsteppengrasland bekannt sind, und liefert neue Erkenntnisse über ihre Zusammensetzung und biogeografische Bedeutung. Zwar [&#8230;]]]></description>
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<p>Was passiert, wenn trockene Steppe auf feuchten Wald trifft? In Ostmitteleuropa führt diese ungewöhnliche ökologische Überschneidung zur Entstehung eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. Eine aktuelle Studie von Roleček et al. (2025) kartiert, definiert und charakterisiert diese Ökosysteme, die als perikarpathisches Waldsteppengrasland bekannt sind, und liefert neue Erkenntnisse über ihre Zusammensetzung und biogeografische Bedeutung.</p>



<p><em>Zwar waren keine Forschenden der Leuphana an dieser Studie beteiligt, die Ergebnisse sind für die ökologische Forschung an der Leuphana jedoch von großer Bedeutung, insbesondere in den Bereichen Pflanzenvielfalt, Landnutzungsgeschichte und Biogeografie von Grünland.</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein ökologisches Wunder mit rekordverdächtigem Artenreichtum</h3>



<p>Die Waldsteppengraslandschaften der Karpatenvorlandregion liegen in den Ausläufern der Karpaten in der Ukraine, Rumänien, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Österreich und Ungarn. Sie beherbergen eine einzigartige Mischung von Arten, die typisch für Trockensteppen, Feuchtwiesen, Waldränder und gemäßigte Wälder mit offenem Kronendach sind.</p>



<p>Aus den Vegetationsdaten der Studie geht hervor, dass der Artenreichtum an Gefäßpflanzen in Parzellen von nur 10-16 m² über 110 Arten erreicht, wobei das derzeitige weltweite Maximum (119 Arten auf 16 m²) in der Westukraine verzeichnet wurde. Ähnliche Werte wurden in den Weißen Karpaten (Tschechien) und in Transsylvanien (Rumänien) festgestellt. Diese Regionen sind durch Hunderte von Kilometern voneinander getrennt, aber ökologisch bemerkenswert ähnlich.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="683" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image.jpg" alt="" class="wp-image-1062" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image.jpg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-300x226.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-768x578.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Verteilung der Wald-Steppen-Graslandschaften in den Perikarpaten (in rot). Die grün markierten Standorte erreichen nicht den Schwellenwert für die Indikatorarten. Die Standorte mit dem höchsten festgestellten Artenreichtum sind mit Zahlen gekennzeichnet: 1 &#8211; Dzyurkach, Ukraine, 2 -Fânațele Clujului- Valea lui Craiu, Rumänien, 3 &#8211; Porážky, Tschechische Republik.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Was macht diese Landschaft so besonders?</h3>



<p>Die Autor:innen der Studie verwenden den Begriff „Waldsteppengraslandschaften der Karpatenvorlandregion“, um Grünland zu beschreiben, das zuvor der Assoziation Brachypodio pinnati-Molinietum arundinaceae zugeordnet war. Dieser Begriff unterstreicht sowohl ihre geografische Verbreitung (rund um die Karpaten) als auch ihre Artenzusammensetzung, die Elemente der Waldsteppe, der mesischen Grünlandschaften und der Hochstaudengemeinschaften miteinander verbindet.</p>



<p>Um diesen Vegetationstyp genau abzugrenzen, verwendeten Roleček und Kolleg:innen 60 Konsensindikatorarten, d. h. Arten, die in mehreren regionalen Studien wiederholt als diagnostisch eingestuft wurden. Der Schwellenwert für die Indikatorarten (der auf einen summierten Indikatorwert ≥ 50 festgelegt wurde) wurde zusammen mit formalen Definitionen zur Klassifizierung der Vegetationsflächen verwendet. Dieser empirisch robuste Ansatz ermöglichte es den Autoren, frühere, manchmal unklare Klassifizierungen zu verfeinern.</p>



<p>Dieses Grünland ist typischerweise in niedrigeren bis mittleren Höhenlagen auf Hochebenen und sanften Hängen (bis zu 10°) in mäßig warmem und relativ niederschlagsreichem Klima zu finden. Die Böden sind in der Regel tiefgründig und gut entwickelt, oft über weicheren Sedimentgesteinen wie Mergel und Sandsteinen. Diese Substrat- und Hangeigenschaften tragen dazu bei, die offene, krautige Struktur der Vegetation zu erhalten. In Verbindung mit dem Klima und der historischen Kontinuität begünstigt dies den außergewöhnlichen Artenreichtum.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Alte Wurzeln, neue Bedeutung</h3>



<p>Warum beherbergen diese Grünlandschaften so besonders viele Arten? Ein wichtiger Faktor ist das langfristige Fortbestehen offener oder halboffener Lebensräume in diesen Regionen seit dem späten Pleistozän und frühen Holozän (also ca. den letzten 20.000 Jahren der Erdgeschichte). Mehrere paläoökologische Belege, darunter Holzkohle, Pollen, Biomarker und Bodenerosionsproxies, stützen die Hypothese, dass eine artenreiche Waldsteppenvegetation über Jahrtausende hinweg fortbestand, selbst in klimatisch günstigen Waldperioden.</p>



<p>Wichtig ist, dass diese alte Kontinuität die Koexistenz mehrerer ökologischer Artengruppen &#8211; von Steppenspezialisten bis zu Waldrandpflanzen &#8211; in relativ stabilen, konkurrenzarmen Umgebungen ermöglichte. Ohne diesen alten Artenpool gäbe es diese außerordentlich reichen Graslandschaften heute wahrscheinlich nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="879" height="587" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.jpg" alt="" class="wp-image-1063" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1.jpg 879w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1-300x200.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/07/image-1-768x513.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 879px) 100vw, 879px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Grünland am Standort Dzyurkach in der Westukraine</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Nicht nur eine Frage der Natur, sondern auch der menschlichen Landnutzung (und des Schutzes!)</h3>



<p>Eine auffallende Gemeinsamkeit der meisten artenreichen Standorte ist ihre langjährige Bewirtschaftung als Heuwiesen, die oft einmal jährlich gemäht werden. Die traditionelle Bewirtschaftung mit geringer Intensität (z. B. Mähen, leichte Beweidung oder regelmäßiges Abbrennen) scheint dazu beigetragen zu haben, die strukturelle Heterogenität zu erhalten und das Eindringen von Gehölzen zu verhindern. Viele Standorte sind jedoch heute durch die Aufgabe von Flächen, veränderte Mähregime oder das Eindringen von Sträuchern bedroht, was die Dringlichkeit standortspezifischer Erhaltungsstrategien unterstreicht.</p>



<p>Während in Teilen des zentralrussischen Hochlands ähnlich vielfältige Lebensgemeinschaften dokumentiert wurden, hält die Karpatenregion derzeit den Weltrekord für den Artenreichtum feinräumiger Pflanzen. Die Graslandschaften der Karpaten sind daher ein weltweit bedeutendes Modellsystem für die Untersuchung der Koexistenz von Arten, der ökotonalen Dynamik und des Zusammenspiels natürlicher und kultureller Faktoren der biologischen Vielfalt. Diese herausragenden Eigenschaften machen es umso wichtiger, den Erhalt dieser wertvollen Region zu sichern.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Sie interessieren sich für die Forschung und die Region und möchten mehr erfahren? Hier geht’s zum vollständigen Forschungsartikel: <a href="https://doi.org/10.1111/jbi.15069">https://doi.org/10.1111/jbi.15069</a></p>
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		<title>Dreißig Jahre später: Wie funktioniert die Renaturierung von Grünland?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 15:09:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Konnektivität]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer stillen Aue in Niedersachsen läuft seit mehr als drei Jahrzehnten ein ökologisches Experiment ab. Anfang der 1990er Jahre waren 300 Hektar intensiv genutztes Ackerland Teil eines staatlich geförderten Naturschutzprojekts zur Renaturierung von artenreichem Grünland. Doch wie erfolgreich war diese Renaturierung? Sind Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen zurückgekehrt? Eine neue Studie von Lunja Ernst und Kolleg:innen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In einer stillen Aue in Niedersachsen läuft seit mehr als drei Jahrzehnten ein ökologisches Experiment ab. Anfang der 1990er Jahre waren 300 Hektar intensiv genutztes Ackerland Teil eines staatlich geförderten Naturschutzprojekts zur Renaturierung von artenreichem Grünland. Doch wie erfolgreich war diese Renaturierung? Sind Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen zurückgekehrt?</p>



<p>Eine neue Studie von Lunja Ernst und Kolleg:innen, darunter Vicky Temperton vom Institut für Ökologie der Leuphana, geht diesen Fragen auf den Grund. Indem sie wiederhergestellte Grünlandflächen mit nahe gelegenen alten Dauergrünlandflächen vergleichen, bewerten die Wissenschaftler:innen, welche Artengruppen zurückgekehrt sind, welche noch fehlen und was dies über die Bestandteile einer erfolgreichen Renaturierung aussagt.<br>Ihre Ergebnisse sind recht aufschlussreich: Die Wiederherstellung des Artenreichtums ist möglich, aber die Wiederherstellung ökologischer Funktionen und spezialisierter Gemeinschaften erfordert weit mehr als das Ausstreuen von Samen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gründlandrenaturierung an einer Flussaue</h3>



<p>Das Untersuchungsgebiet befindet sich in der Ise-Aue im Landkreis Gifhorn, Niedersachsen. Die Landschaft ist ein Mosaik aus Wäldern, Ackerflächen, Heideflächen, Dauergrünland und wiederhergestelltem Grünland. Die Region ist typisch für Mitteleuropa, wo historische Wiesen mit geringer Nutzungsintensität und hoher Artenvielfalt nach und nach durch intensivierte Landwirtschaft ersetzt wurden.</p>



<p>Zwischen 1991 und 1992 sollten in diesem Gebiet ehemalige Ackerflächen in artenreiches Grünland umgewandelt werden, allerdings unter Verwendung einer artenarmen landwirtschaftlichen Saatgutmischung: sechs Grasarten und eine Leguminose. Die Idee war pragmatisch: Schnellwüchsiger, produktive Arten aussäen und den Rest der Natur überlassen. Man hoffte, dass nahe gelegene alte Grasflächen als Samenquelle dienen würden, die im Laufe der Zeit eine spontane Wiederbesiedlung ermöglichen würden.</p>



<p>In der vorliegenden Studie werden 14 dieser wiederhergestellten Standorte mit 14 nahe gelegenen alten Grünlandflächen verglichen, die kontinuierlich in geringer Intensität genutzt und nie in Ackerland umgewandelt wurden. Zwei Jahre lang untersuchten die Forschenden Pfanzen und Schmetterlinge, wobei sie sich auf Gruppen konzentrierten, die Indikatoren für den Erfolg von Renaturierung sind: mesotrophe und feuchte Grünlandpflanzen, blühende Kräuter, Arten der Roten Liste und auf Grünland spezialisierte Schmetterlinge.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="945" height="863" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-2.png" alt="" class="wp-image-1058" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-2.png 945w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-2-300x274.png 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-2-768x701.png 768w" sizes="auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px" /><figcaption class="wp-element-caption">Karte der Untersuchungsgebiete von wiederhergestelltem Grünland (blau) und altem Dauergrünland (gelb) in der Untersuchungsregion (Ernst et al., 2025). </figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Die Methodik: Renaturierung aus verschiedenen Blickwinkeln</h3>



<p>Das Forschungsdesign ist so sorgfältig wie der Wiederherstellungsprozess, der bewertet wird. Um die Komplexität der ökologischen Dynamik zu erfassen, bewerten Ernst, Temperton und Kolleg:innen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Artenreichtum und Bedeckung von Pflanzengruppen auf der Grundlage von Felduntersuchungen von Mai bis Juni 2020 und 2021 auf einer Gesamtfläche von 25 m<sup>2</sup>, die in fünf 1 m² und eine 20 m² große Parzelle pro Standort unterteilt ist.</li>



<li>Schmetterlingsvielfalt und -abundanz anhand von vier Erhebungsrunden mit Transekten an denselben Standorten von Mai bis September 2020.</li>



<li>Lebensraumvernetzung/Konnektivität durch QGIS-basierte (geografisches Informationssystem) Analyse von Landschaftsmetriken: Entfernung zum nächstgelegenen alten Grünland und prozentualer Anteil der alten Grünlandflächen innerhalb eines 500 m-Puffers.</li>



<li>Landnutzungsintensität (LUI) anhand eines wiesenspezifischen Indexes, der Mähhäufigkeit und Stickstoffeintrag kombiniert.</li>
</ul>



<p>Durch die Anwendung statistischer Modelle und Ordinationstechniken konnte das Forschungsteam den Einfluss der lokalen Bewirtschaftung (z. B. Mahd und Düngung) und des landschaftlichen Kontextes (z. B. räumliche Isolierung) auf die Verteilung der Arten und die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften aufschlüsseln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was funktionierte und was nicht</h3>



<p>Die gute Nachricht: Der Gesamtartenreichtum der Pflanzen war in den wiederhergestellten und den alten Grünlandflächen ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass eine Wiederbesiedlung aus der umgebenden Landschaft stattgefunden hat.</p>



<p>Allerdings ist die Geschichte etwas differenzierter. Die Arten des Feuchtgrünlands waren in den wiederhergestellten Grünlandflächen deutlich seltener und weniger zahlreich vertreten. Diese Arten gediehen auf altem Grünland, insbesondere auf solchen mit natürlichen Senken und feuchten Mikrostandorten &#8211; Merkmale, die auf ehemaligen Ackerflächen fehlen. Der Reichtum an mesotrophen, Rote-Liste- und Blütenpflanzen-Arten und deren Deckung unterschieden sich nicht signifikant zwischen alten und wiederhergestellten Standorten, aber alle nahmen bei höherer Landnutzungsintensität (LUI) stark ab. Wiederhergestellte Standorte wiesen einen höheren Reichtum an Arten des landwirtschaftlichen Grünlands auf, was wahrscheinlich auf die ursprüngliche Saatgutmischung und die laufende Bewirtschaftung zurückzuführen ist. Die Landnutzungsintensität spielt eine entscheidende Rolle: Mit zunehmender Mähhäufigkeit und höherem Stickstoffeintrag gingen Artenreichtum und Deckung der Zielpflanzengruppen drastisch zurück, bei den Pflanzen der Roten Liste um bis zu 100 %.</p>



<p>Ein weiterer Schlüsselfaktor war die Nähe zu altem Grünland. Der Artenreichtum der Pflanzen (insbesondere der mesotrophen und nicht gesäten Arten) war höher, wenn die wiederhergestellten Flächen näher an alten Grünlandflächen lagen. Dies unterstreicht die Bedeutung von Ausbreitungsbeschränkungen und Ausgangspopulationen für die Ergebnisse der Wiederherstellung.</p>



<p>Die Ergebnisse für Schmetterlinge stimmen mit denen für Pflanzen überein. Wiederhergestellte und alte Grünlandflächen wiesen keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf den Artenreichtum oder die Abundanz von Schmetterlingen auf. Am wichtigsten war das Vorhandensein von blühenden Kräutern, die wichtige Nektar- und Larvenwirtspflanzen liefern. Der Artenreichtum und die Abundanz von Schmetterlingen stiegen mit zunehmender Blütenbedeckung steil an. Allerdings wies fast ein Drittel der untersuchten Transekte überhaupt keine Blüten auf, was die Eignung des Lebensraums einschränkte. Auch die Intensität der Landnutzung spielte eine Rolle und verringerte indirekt den Blütenreichtum und die Schmetterlingsvielfalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Renaturierung neu denken: Saatgut, Standorte und Systeme</h3>



<p>Diese Studie erinnert uns eindringlich daran, dass es bei der Wiederherstellung nicht nur um die Fläche geht, sondern auch um Struktur, Funktion und Prozess. Die Aussaat von Grasmischungen mit geringer Artenvielfalt ist für die Wiederherstellung der Zielpflanzen- und Schmetterlingsgemeinschaften unwirksam, selbst nach Jahrzehnten. Es ist jedoch möglich, einen ähnlichen Artenreichtum an Pflanzen zu erreichen wie in alten Graslandschaften.</p>



<p>Wie lauten also die Empfehlungen der Forschenden für eine erfolgreiche Wiederherstellung?</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>(Nicht mehr als) Zweimaliges Mähen pro Jahr ist für die Entwicklung blütenreicher Gemeinschaften, die für die Wiederherstellung von Schmetterlingen von entscheidender Bedeutung sind, unerlässlich.</li>



<li>Die Nähe zu bestehenden alten Grünlandflächen kann die Einwanderung der gewünschten Arten im Laufe der Zeit fördern. Für eine wirksame Wiederherstellung von Arten der Feuchtwiesen ist es notwendig, feuchte Mikrostandorte zu schaffen und möglicherweise Samen einzubringen.</li>



<li>Eine kontinuierliche Überwachung und ein anpassungsfähiges Management im Anschluss an die Wiederherstellungsmaßnahmen sind von entscheidender Bedeutung, wie z. B. die Aussaat von Saatgutmischungen mit regionalem Genotyp und geeigneten Wirtspflanzen, während gleichzeitig feuchte Standortbedingungen geschaffen werden.</li>
</ul>



<p>Da die EU und andere Regionen ehrgeizige Ziele für die Renaturierung von Ökosystemen verfolgen, bieten Studien wie diese wichtige Einblicke in langfristige Ergebnisse. Die Wiederherstellung ist nicht nur ein einmaliger Eingriff, sondern ein fortlaufender, anpassungsfähiger Prozess, bei dem ökologisches Wissen mit den lokalen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden muss. Dreißig Jahre später lautet die Botschaft dieses Grünlandgebietes: Die Wiederherstellung erfordert mehr als Zeit und Raum &#8211; sie erfordert eine kontextbezogene Strategie.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>Interesse geweckt? Den ganzen Forschungsartikel gibt es hier: <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/rec.70029">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/rec.70029</a> </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die verborgene Vielfalt tropischer Waldkronen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Joice Klipel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 16:04:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Baumdiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Erdsystemmodelle]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Funktionelle Eigenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Modelle]]></category>
		<category><![CDATA[Tropische Wälder]]></category>
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					<description><![CDATA[Tropische Wälder gehören zu den artenreichsten und ökologisch wichtigsten Ökosystemen der Erde und beherbergen mehr als zwei Drittel aller bekannten Baumarten. Ihre Baumkronen sind die am stärksten konzentrierte atmosphärische Schnittstelle für Kohlenstoff, Wasser und Energie in der Biosphäre. Die funktionelle Vielfalt &#8211; wie die verschiedenen Arten funktionieren, wachsen und auf ihre Umwelt reagieren &#8211; ist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Tropische Wälder gehören zu den artenreichsten und ökologisch wichtigsten Ökosystemen der Erde und beherbergen mehr als zwei Drittel aller bekannten Baumarten. Ihre Baumkronen sind die am stärksten konzentrierte atmosphärische Schnittstelle für Kohlenstoff, Wasser und Energie in der Biosphäre. Die funktionelle Vielfalt &#8211; wie die verschiedenen Arten funktionieren, wachsen und auf ihre Umwelt reagieren &#8211; ist jedoch weniger bekannt. Eine Studie von Aguirre-Gutiérrez und Kollegen, zu denen auch Joice Klipel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ökologie der Leuphana Universität, gehört, zeichnet ein vielfältiges und dynamisches Bild der Merkmale der Baumkronen tropischer Wälder auf den verschiedenen Kontinenten und gibt Aufschluss über den funktionalen Reichtum und die Divergenz.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><strong><em>Info: Funktioneller Reichtum und funktionelle Divergenz</em></strong><em><br>Der funktionelle Reichtum (FRich) beschreibt das Spektrum der verschiedenen funktionellen Merkmale in einer Gemeinschaft. Ein hoher FRich bedeutet, dass viele ökologische Strategien vorhanden sind, was auf eine größere Anpassungsfähigkeit des Ökosystems schließen lässt. Die funktionale Divergenz (FDiv) misst, wie die Eigenschaften der Arten innerhalb dieses Bereichs verteilt sind. Ein hoher FDiv-Wert deutet darauf hin, dass die Arten funktional unterschiedlich sind und verschiedene Nischen besetzen, was oft mit einer Spezialisierung auf Ressourcen oder starkem Wettbewerb verbunden ist. Zusammengenommen helfen diese Metriken bei der Bewertung der biologischen Vielfalt über die Anzahl der Arten hinaus, indem sie sich darauf konzentrieren, wie die Arten funktionieren.</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Was sind funktionelle Merkmale und warum sind sie wichtig?</h3>



<p>Funktionelle Merkmale sind messbare Eigenschaften von Pflanzen, wie Blattdicke, Nährstoffgehalt oder Holzdichte, die beeinflussen, wie Pflanzen mit ihrer Umwelt interagieren. Diese Merkmale bestimmen wichtige Prozesse wie Photosynthese, Wassernutzung, Nährstoffkreislauf und Kohlenstoffspeicherung. Die Kenntnis dieser Merkmale hilft Wissenschaftlern bei der Beurteilung der Funktionsweise von Wäldern, ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Veränderungen und ihrer möglichen Reaktion auf klimatische Stressfaktoren wie Dürren oder steigende Temperaturen.</p>



<p>Die meisten Erdsystemmodelle vernachlässigen den vielfältigen und heterogenen tropischen Waldbiom, indem sie ihn als ein weitgehend einheitliches Ökosystem darstellen. Durch diese grobe Vereinfachung ist die Genauigkeit der Vorhersagen über die Funktionsweise der Ökosysteme, die Rückkopplungen mit dem Klima und die Widerstandsfähigkeit der biologischen Vielfalt begrenzt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><strong><em>Infos: Erdsystemmodelle</em></strong><em><br>Erdsystemmodelle (ESMs) sind komplexe Computersimulationen, die physikalische, chemische und biologische Prozesse in der Atmosphäre, Biosphäre, Hydrosphäre und Geosphäre integrieren, um zu verstehen und vorherzusagen, wie das Erdsystem auf natürliche und vom Menschen verursachte Veränderungen reagiert. Sie verfolgen die Energie-, Wasser-, Kohlenstoff- und Nährstoffflüsse, um Veränderungen des Klimas, der Vegetation und der biogeochemischen Kreisläufe vorherzusagen.</em></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="238" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-1-1024x238.png" alt="" class="wp-image-1045" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-1-1024x238.png 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-1-300x70.png 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-1-768x179.png 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/grafik-1.png 1031w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Untersuchungsgebiete, die die Verteilung von 1.814 Vegetationsplots über den ursprünglichen Biome-Raum für tropische Wälder (grau hinterlegt) in Amerika (659,6 ha), Afrika (124,6 ha) und Asien (15,4 ha) zeigt.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein einzigartiger Versuch, die Merkmale der Baumkronen weltweit zu kartieren</h3>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="767" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-1024x767.jpeg" alt="" class="wp-image-1040" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-1024x767.jpeg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-768x576.jpeg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-1536x1151.jpeg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.56-PM-edited-2048x1535.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Als Reaktion darauf führten die Forschenden der Studie eine umfassende Analyse der Merkmale der tropischen Waldkronen durch. Sie kombinierten vor Ort erhobene Daten von mehr als 1 800 Vegetationsparzellen und Baummerkmalen mit Sentinel-2-Satelliten-Fernerkundungs-, Gelände-, Klima- und Bodendaten, um die Variation von 13 morphologischen, chemischen und strukturellen Merkmalen von Bäumen vorherzusagen und die funktionelle Vielfalt von Wäldern in den Tropen Amerikas, Afrikas und Asiens zu kartieren. Die untersuchten Waldstandorte erstrecken sich über eine Gesamtfläche von fast 800 Hektar und decken verschiedene Klimazonen und Landschaften ab.</p>



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<p><strong><em>Infobox: Sentinel-2 Satellitenbilder</em></strong><em><br>Sentinel-2 ist ein Paar von Erdbeobachtungssatelliten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Sie liefern alle 5 Tage hochauflösende optische Bilder, die Daten in 13 Spektralbändern erfassen. Dies ermöglicht Wissenschaftlern die Überwachung von Vegetation, Landnutzung, Gewässern und vielem mehr. In der Ökologie ist Sentinel-2 von entscheidender Bedeutung für die Erkennung von Pflanzenmerkmalen, Waldstrukturen und Umweltveränderungen in kleinem räumlichen Maßstab.</em></p>



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<h3 class="wp-block-heading">Unterschiedliche Waldidentitäten: Amerika, Afrika, Asien</h3>



<p>Die Analyse zeigt starke biogeografische Unterschiede bei den funktionalen Merkmalen der Baumkronen:</p>



<p>Die amerikanischen Tropenwälder weisen den größten funktionalen Reichtum auf, d. h. sie umfassen ein breiteres Spektrum an Merkmalskombinationen. Dies spiegeln die hohe Artenvielfalt und Umweltheterogenität wider, insbesondere in den Tropen Amerikas.<br>Afrikanische Wälder weisen dagegen die größte funktionale Divergenz auf, was auf ein spezielles Muster der Ressourcennutzung hindeutet. Dies könnte auf langfristige Umweltbelastungen wie historische Dürren zurückzuführen sein.<br>Die tropischen Wälder Asiens (einschließlich Teilen Australiens) weisen hohe Durchschnittswerte für Merkmale wie Blattgröße, Wassergehalt und Nährstoffkonzentration auf, was wahrscheinlich mit der Dominanz der Familie der Flügelfruchtgewächse in Südostasien zusammenhängt.<br>Diese Merkmalsverteilungen deuten darauf hin, dass sich in jeder Region unterschiedliche Strategien herausgebildet haben, die durch die Evolutionsgeschichte, die Bodenfruchtbarkeit, die saisonalen Niederschläge und die früheren Klimabedingungen geprägt sind.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Feucht vs. trocken</h5>



<p>In trockenen Wäldern (z. B. im brasilianischen Cerrado oder in afrikanischen Savannen) gibt es Arten mit hoher spezifischen Blattfläche (SLA) und nährstoffreichen, schnell umschlagenden Blättern. Dies deutet auf Erwerbsstrategien hin, die für schnelles Wachstum während kurzer feuchter Perioden optimiert sind.<br>Feuchte Wälder (wie Amazonien oder Borneo) weisen Merkmale auf, die mit konservativen Strategien verbunden sind, mit dickeren, dichteren Blättern und höheren Kohlenstoffinvestitionen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="767" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-1024x767.jpeg" alt="" class="wp-image-1039" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-1024x767.jpeg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-768x576.jpeg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-1536x1151.jpeg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/06/WhatsApp-Image-2024-03-27-at-6.36.55-PM-edited-2048x1535.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Bedeutung für Wissenschaft, Naturschutz und Klimamodelle</h3>



<p>Diese Studie verbessert die Realitätsnähe von Erdsystemmodellen durch die Bereitstellung detaillierter Merkmalskarten. Sie identifiziert Regionen mit hohen Unsicherheiten oder Datenlücken, was die künftige Feldarbeit (insbesondere in Teilen Afrikas und Asiens) erleichtert. Darüber hinaus zeigt die Studie die zunehmende Bedeutung von KI und Fernerkundungstechnologien bei der Kartierung von Pflanzenmerkmalen und Biodiversität in großem Maßstab. Diese Instrumente sind zwar leistungsfähig, sollen aber klassische ökologische Methoden wie Feldproben und die Identifizierung von Arten nicht ersetzen, sondern ergänzen. Um wirklich zu verstehen, wie sich die funktionale Vielfalt im Laufe der Zeit verändert, müssen wir weiterhin in die gute alte Feldarbeit investieren, die dann in fortschrittlichere Modelle und Vorhersagen einfließt. Die Erkenntnisse dieser faszinierenden Studie können als Grundlage für die Vorhersage von Veränderungen in der funktionalen Waldzusammensetzung unter sich verändernden Klimabedingungen dienen und zum Aufbau eines prozessbasierten und präzisen ökologischen Modellierungsrahmens auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen beitragen. </p>



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<p>Sie möchten mehr über die Studie und ihre Ergebnisse erfahren? Dann lesen Sie den vollständigen Artikel hier: <a href="https://www.nature.com/articles/s41586-025-08663-2#citeas">https://www.nature.com/articles/s41586-025-08663-2#citeas</a></p>
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		<title>Bergwiesen im Klimawandel: Ein Blick in die Zukunft durch ein besonderes Experiment</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Sylvia Haider]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 May 2025 14:06:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Biodiversität]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaanpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Thermophilisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Bergwiesen stehen im Klimawandel besonders unter Druck – denn er stellt sie vor doppelte Herausforderungen: steigendende Temperaturen (schneller als in tiefer gelegenen Gebieten) und das Vordringen wärmeliebender Arten, die für Konkurrenz sorgen. Im Prozess der „Thermophilisierung“ wandern wärmeliebende Arten aus tieferen Lagen in höhere Lagen ein. Die kälteliebenden Hochlandspezialisten haben jedoch Schwierigkeiten, unter wärmeren Bedingungen [&#8230;]]]></description>
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<p>Bergwiesen stehen im Klimawandel besonders unter Druck – denn er stellt sie vor doppelte Herausforderungen: steigendende Temperaturen (schneller als in tiefer gelegenen Gebieten) und das Vordringen wärmeliebender Arten, die für Konkurrenz sorgen. Im Prozess der „Thermophilisierung“ wandern wärmeliebende Arten aus tieferen Lagen in höhere Lagen ein. Die kälteliebenden Hochlandspezialisten haben jedoch Schwierigkeiten, unter wärmeren Bedingungen zu überleben. Die Studie von Sylvia Haider (vom Ökologie-Institut der Leuphana), Carolin Schaub und Susanne Lachmuth hat untersucht, wie sich wärmere Bedingungen im Zuge des Klimawandels auf die Artenzusammensetzung und die ökologische Funktion der wertvollen und artenreichen Lebensräume der Bergwiesen auswirken könnten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Experiment, das den Berg ins Tal holt</h3>



<p>Um die Folgen der Temperaturerhöhung zu simulieren, verpflanzten die Forscher:innen Hochlagenpflanzengemeinschaften aus den deutschen Alpen in wärmere, tiefer gelegene Regionen.<a> </a>Über vier Jahre hinweg wurde untersucht, wie sich die transplantierten Pflanzengemeinschaften veränderten – in ihrer Artenzusammensetzung und daraus resultierend in ihrer funktionalen Identität (typische Eigenschaften wie Blattmerkmale und Ressourcennutzungsstrategien) und funktionalen Diversität (Maß für die Vielfalt der funktionalen Eigenschaften innerhalb einer Gemeinschaft). Anders gefragt: Wie verändern sich die Hochlagenpflanzengemeinschaften, wenn sie wärmeren Bedingungen ausgesetzt sind? Welche Arten sind „Gewinner“, welche „Verlierer“? Und wie beeinflusst die Einwanderung wärmeliebender Arten des Tieflands die funktionale Identität und Vielfalt der Gemeinschaften und folglich die Funktionen und Prozesse des Ökosystems?</p>



<p>Einzigartig an diesem Ansatz ist, dass ganze Pflanzengemeinschaften in natürliche Standorte integriert wurden. Dadurch konnten reale Wechselwirkungen mit lokalen Arten und Umwelteinflüssen berücksichtigt werden. Solche Experimente liefern realistischere Ergebnisse als vergleichsweise künstliche Erwärmungskammern, da sie unter anderem Konkurrenz mit einheimischen Pflanzenarten und die Wirkung natürlicher Böden einbeziehen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1031" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-1024x768.jpg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-300x225.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-768x576.jpg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-1536x1152.jpg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0013_neu-1-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Was sind die Erkenntnisse und was bedeuten sie?</h3>



<p>Im Rahmen der Studie wurden auf Artebene funktionelle morphologische und biochemische Merkmale von Blättern erfasst, die für die Gemeinschaftsebene die Berechnung von gewichteten Merkmalsmittelwerten, funktionellem Reichtum und funktioneller Divergenz ermöglichten. Diese Konzentration auf funktionelle Merkmale gab Aufschluss darüber, wie sich die Interaktionen zwischen den Arten und die Strategien zur Ressourcennutzung als Reaktion auf die Klimaerwärmung verändern können.</p>



<p>Die Ergebnisse zeigen, wie dynamisch und gleichzeitig verletzlich montane Ökosysteme sind. Bereits nach den vier Jahren hatten sich die verpflanzten Gemeinschaften stark verändert. Die transplantierten Hochlandgemeinschaften gewannen über die Zeit an Artenreichtum, was sowohl auf die Einwanderung wärmeliebender Tieflandarten als auch auf die „lag phase“ der Hochlandspezialisten, also das verzögerte Verschwinden, zurückzuführen ist. Sie konnten unter anderem durch vegetative Vermehrung (z. B. durch Wurzelausläufer) ein schnelles Aussterben zunächst verhindern.</p>



<p>Die wärmeliebenden Arten, also jene, die aus tiefergelegenen Regionen stammen, haben eine andere „ökologische Strategie“: Sie wachsen schneller, nehmen mehr Nährstoffe auf und konkurrieren stärker um Licht. Dies könnte langfristig das Überleben der kälteliebenden Spezialisten gefährden, die auf langsames Wachstum und einen sparsamen Ressourceneinsatz setzen. Ein Beispiel dafür ist die Art <em>Poa alpina</em> (Alpen-Rispengras), die im ersten Jahr noch in fast allen verpflanzten Hochlagengemeinschaften vorkam, jedoch bis zum vierten Jahr nahezu verschwunden war.</p>



<p>Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis ist damit schon auf den Punkt gebracht: Die verpflanzten Gemeinschaften wurden den Tieflandgemeinschaften immer ähnlicher. Der Berg verliert dadurch einen Teil seiner einzigartigen floristischen Identität und nähert sich der Artenzusammensetzung des Tieflands an.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1026" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-1024x768.jpg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-300x225.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-768x576.jpg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-1536x1152.jpg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/05/Poa-supina_eine-der-Verliererarten-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Weckruf für den Schutz montaner und alpiner Ökosysteme</h3>



<p>Insgesamt stützen die Ergebnisse die zuvor aufgestellten Hypothesen, dass die Klimaerwärmung zu signifikanten Veränderungen des Artenreichtums, der Artenzusammensetzung und der funktionellen Eigenschaften von Bergwiesengemeinschaften führt. Hochlandpflanzen, die an kältere Temperaturen und nährstoffarme Böden angepasst sind, könnten langfristig durch den Klimawandel verschwinden. Diese Arten sind nicht nur ökologisch, sondern auch kulturell von Bedeutung. Die Studie betont, dass alpine Ökosysteme weltweit ähnliche Risiken teilen. Wieder einmal zeigt sich: Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eng miteinander verbunden.</p>



<p><br>Um die wertvollen Bergökosysteme zu erhalten, sind gezielte Schutzmaßnahmen notwendig. Dazu gehören nicht nur die Reduktion von Treibhausgasen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern, sondern auch Strategien, die das Überleben der empfindlichen Hochlandspezialisten schützen und fördern.</p>



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<p>Wenn Sie die Studie noch tiefergehend interessiert, finden Sie diese hier: <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jvs.13280">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jvs.13280</a> </p>
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		<title>Im Boden verankert: Was Wurzeln über die Renaturierung von Grasland verraten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&nbsp;&&nbsp;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2025 19:30:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anpassung]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Priority Effects]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Angesichts des zunehmenden Biodiversitätsverlusts und der Degradierung von Ökosystemen ist ökologische Renaturierung wichtiger denn je. Genauer gesagt: eine effektive und resiliente Renaturierung. Aus ökologischer Sicht ist dabei nicht nur entscheidend, welche Arten etabliert werden, sondern auch wann und in welcher Reihenfolge. Eine aktuelle Studie von Alonso-Crespo und Kolleg*innen – unter anderem mit Vicky Temperton vom [&#8230;]]]></description>
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<p>Angesichts des zunehmenden Biodiversitätsverlusts und der Degradierung von Ökosystemen ist ökologische Renaturierung wichtiger denn je. Genauer gesagt: eine effektive und resiliente Renaturierung. Aus ökologischer Sicht ist dabei nicht nur entscheidend, welche Arten etabliert werden, sondern auch wann und in welcher Reihenfolge. Eine aktuelle Studie von Alonso-Crespo und Kolleg*innen – unter anderem mit Vicky Temperton vom Institut für Ökologie der Leuphana Universität – untersucht, wie das Timing der Artenansiedlung und die Wetterbedingungen zu Beginn eines Renaturierungsvorhabens die langfristige Dynamik von Graslandökosystemen beeinflussen.</p>



<p>Die Studie präsentiert erste Ergebnisse des Langzeitfeldexperiments zu PriOrity Effect Mechanisms (POEM), das 2020 initiiert wurde. Ziel ist es, zu untersuchen, wie Prioritäts- und Jahreseffekte die Struktur und Funktion nährstoffarmer, saurer Graslandpflanzengemeinschaften im Verlauf der Zeit beeinflussen – sowohl ober- als auch unterirdisch.</p>



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<p><strong><em>Info: Prioritätseffekte</em></strong><br><em>„Prioritätseffekte treten auf, wenn Arten, die früher ankommen und sich etablieren, die Ansiedlung und den Erfolg später eintreffender Arten stark beeinflussen können – mitunter auch in Bezug auf Ökosystemfunktionen. Sie können zu alternativen Vegetationszuständen führen und spielen daher möglicherweise eine zentrale Rolle im Naturschutz.“</em></p>



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<h3 class="wp-block-heading">Das POEM-Experiment</h3>



<p>Auf einem ehemaligen Ackerstandort in Niederhaverbeck in Norddeutschland richtete das Forschungsteam 2020 das POEM-Feldexperiment ein. Es handelt sich um ein mehrjähriges, repliziertes Experiment, in dem unterschiedliche Aussaatabfolgen von Pflanzlich-funktionellen Gruppen (PFGs) – Gräser, Kräuter (Forbs) und Leguminosen – getestet werden. Um Jahreseffekte abzubilden, wurden die Behandlungsplots in verschiedenen Jahren etabliert. Mittels transparenter Röhren, sogenannter Minirhizotrons, und einem Kamerasystem wurde das Wurzelwachstum über drei Jahre hinweg dokumentiert – ohne eine einzige Pflanze auszugraben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="626" height="441" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.png" alt="" class="wp-image-1011" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.png 626w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-300x211.png 300w" sizes="auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Abbildung zeigt die fünf in jedem POEM-Subexperiment getesteten Ankunftsszenarien der funktionellen Gruppen (PFG): (1) gleichzeitige Aussaat von Kräutern, Gräsern und Leguminosen beim ersten Aussaattermin (synchron, S), (2) Kräuter 6 Wochen vor Gräsern und Leguminosen (F), (3) Gräser 6 Wochen vor Kräutern und Leguminosen (G), (4) Leguminosen 6 Wochen vor Kräutern und Gräsern (L) und (5) keine zusätzliche Aussaat (freie Sukzession, B).</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Erkenntnisse mit Tiefgang</h3>



<p>Die ersten Ergebnisse dieses Langzeitexperiments sind bereits jetzt sehr aufschlussreich: Zunächst stellten die Forschenden fest, dass die Zeit seit der Etablierung der stärkste Einflussfaktor auf die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft war – noch vor der Reihenfolge der funktionellen Gruppen (PFGs) oder dem Jahr der Etablierung. Die Artenvielfalt und Diversität wurde durch die Reihenfolge der Aussaat beeinflusst – und entwickelte sich über die Zeit weiter, wobei auch das Aussaatjahr eine Rolle spielte. Plots, in denen Gräser zuerst ausgesät wurden, wiesen eine geringere Diversität auf – wahrscheinlich durch ihre Dominanz (z.B. <em>Bromus hordeaceus</em>; Weiche Trespe). </p>



<p>Während sich die unterirdische Produktivität (Gesamtwurzelbiomasse/-dichte) nicht signifikant zwischen den Behandlungen unterschied, war die vertikale Verteilung der Wurzeln deutlich verschieden: Gemeinschaften, in denen Kräuter oder Leguminosen zuerst ausgesät wurden, wuchsen deutlich tiefer in den Boden als Gemeinschaften mit einer frühen Gräseraussaat. Diese Erkenntnisse könnten, wenn sie auch in anderen Graslandschaften zu finden sind, ein nützlicher Weg sein, um Pflanzengemeinschaften mit tieferen Wurzeln zu schaffen, die besser an Dürren angepasst sind. Weitere Forschungen im dritten POEM-Experiment (das im Jahr 2025 eingerichtet wird) werden diese Frage untersuchen. Hier werden Minirhizotronen im Boden installiert, mit denen die Forscher prüfen können, ob es einen wiederholbaren Effekt der Reihenfolge der Ankunft auf die Wurzelverteilung gibt. Ähnliche Ergebnisse in einem kontrollierten Experiment (Alonso-Crospo et al. 2022 Oikos) sind vielversprechend, aber die Forschenden müssen sich die Mühe machen, dasselbe Experiment noch einmal auf dem Feld durchzuführen, um zu wissen, inwieweit diese Ergebnisse verallgemeinerbar sind.</p>



<p>Die oberirdische Produktivität hingegen wurde vor allem durch das Aussaatjahr beeinflusst: Plots, die 2020 etabliert wurden, waren produktiver als jene von 2021 – wahrscheinlich aufgrund günstigerer Wetterbedingungen im ersten Jahr. Das zeigt: Das Jahr der Aussaat – als Spiegel wechselnder Umweltbedingungen – hat großen Einfluss auf die anfängliche Entwicklung der Pflanzengemeinschaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Folgerungen über das Experiment hinaus</h3>



<p>Da die ökologische Renaturierung zunehmend als Schlüsselmaßnahme für Biodiversitäts- und Klimaschutz gesehen wird, sind differenzierte Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen essenziell. Das POEM-Experiment liefert genau solche und wird weiterhin untersuchen, wie ökologische Vorgeschichte, Prioritätseffekte, funktionelle Merkmale und Wetterbedingungen miteinander wechselwirken und die Wiederherstellung von Ökosystemen prägen.</p>



<p>Für die Praxis ergeben sich bereits jetzt wichtige Hinweise: Zum Beispiel zeigt sich, dass Witterungsbedingungen im Etablierungsjahr die Produktivität stark beeinflussen – was nahelegt, dass Aussaaten möglichst auf günstige Zeitfenster abgestimmt werden sollten. Die durch frühe Aussaat von Kräutern oder Leguminosen entstehenden tiefwurzelnden Pflanzengemeinschaften könnten in degradierten Böden die Bodenstabilität erhöhen, die Wasserversorgung verbessern und längerfristig bestehen bleiben. Gerade im Angesicht zunehmender Trockenperioden ist ihre Stabilität und Resilienz besonders wertvoll. Außerdem tragen tiefreichende Wurzeln verstärkt zu langfristigen Kohlenstoffspeichern im Boden bei – ein zentraler Aspekt sogenannter &#8220;Natural Climate Solutions&#8221;.</p>



<p>Ökologische Experimente wie dieses, die auf den ersten Blick rein wissenschaftlich erscheinen, haben also eine hohe praktische Relevanz – besonders in Zeiten sich überlagernder ökologischer Krisen.</p>



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<p>Link zur Studie: <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jvs.70026">https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jvs.70026</a></p>



<p>Interesse an Prioritätseffekten geweckt? Hier unserer Beitrag zu : <a href="https://ecology.web.leuphana.de/de/barrieren-abbauen-ein-aufruf-zur-kohasion-bei-studien-uber-prioritatseffekte/"><em>Barrieren abbauen: Ein Aufruf zur Kohäsion bei Studien über Prioritätseffekte – Ökologische Forschung der Leuphana Universität Lüneburg</em></a></p>
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		<title>Grünland kann was! </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 09:04:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
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		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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		<category><![CDATA[Sozial-Ökologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Info: Der folgende Artikel wurde ursprünglich auf dem Grassworks-Blog veröffentlicht. Autor:innen: Vicky Temperton, Line Sturm, Lukas Kuhn, Anita Kirmer, Miriam Wiesmeier Wie erfolgreich ist die Renaturierung von artenreichem Grünland in Deutschland? Mit dieser Frage haben sich Forscher:innen seit vielen Jahren beschäftigt und schließlich vor vier Jahren das Grassworks-Projekt ins Leben gerufen, gefördert über die Forschungsinitiative [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Info: Der folgende Artikel wurde ursprünglich auf dem <a href="https://grassworksprojekt.de/blog/gruenland-kann-was/">Grassworks-Blog</a> veröffentlicht. </em><br><br><em>Autor:innen: Vicky Temperton, Line Sturm, Lukas Kuhn, Anita Kirmer, Miriam Wiesmeier </em></p>



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<p>Wie erfolgreich ist die Renaturierung von artenreichem Grünland in Deutschland? Mit dieser Frage haben sich Forscher:innen seit vielen Jahren beschäftigt und schließlich vor vier Jahren das <em>Grassworks</em>-Projekt ins Leben gerufen, gefördert über die Forschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein gelungener Abschluss und ein hoffnungsvoller Tag für die Renaturierung von artenreichem Grünland</strong></h3>



<p>Endlich war es so weit: bei der <a href="https://grassworksprojekt.de/grassworks-abschlussveranstaltung/"><em>Grassworks</em>-Abschlussveranstaltung</a> stellten wir unsere Erkenntnisse zu Erfolgsfaktoren bei der Renaturierung artenreicher Wiesen und Weiden aus den Blickwinkeln der Ökologie, Ökonomie und Sozial-Ökologie vor. Im gläsernen Saal der Vertretung des Landes Niedersachsen in Berlin empfingen wir rund 50 Teilnehmer:innen mit dem Geruch von Heu, viel Anschauungsmaterial zu regionalen Wildpflanzenmischungen und einem spannenden Vortragsprogramm. Zusätzlich nahmen knapp 200 weitere Personen online an der Veranstaltung teil.</p>



<p>Forscher:innen von <em>Grassworks</em> und unsere geladenen Gäste präsentierten und diskutierten über die Faszination Grünland, wie es um seine Wiederherstellung steht und was wir für artenreiches Grünland tun können. Die bekannte Moderatorin Dr. Tanja Busse, die über sehr viel Erfahrung im Zusammenbringen der Themen Landwirtschaft und Biodiversität verfügt, setzte mit gewohnt scharfem Verstand und Charme den Gesamtrahmen. Die Veranstaltung wurde von <strong>Dr.</strong> <strong>Tanja Busse</strong> und <strong>Prof. Vicky Temperton </strong>mit Worten zur Dringlichkeit des Zusammenbringens von Artenvielfalt und Landwirtschaft eröffnet. Nur wenn wir einen Weg des Miteinanders finden, kann es eine nachhaltige Zukunft geben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="563" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.jpeg" alt="" class="wp-image-984" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-300x186.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-768x477.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Prof. Vicky Temperton, Co-Projektleiterin mit Prof. Anita Kirmer, hat die Ziele der Veranstaltung und den Rahmen des <em>Grassworks</em>-Projektes vorgestellt, gefolgt von einem Überblick über die Ziele und Projekte der <a href="https://www.feda.bio/de/">FEdA-Forschungsinitiative</a> von <strong>Dr. Julian Taffner</strong>, dem Leiter der zentralen Koordinationsstelle.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Erkenntnisse aus dem <em>Grassworks</em>-Projekt: Vielfältige Perspektiven auf eine multifunktionale Grünlandrenaturierung- Grünland kann was!&nbsp;</strong></h3>



<p><strong>Prof. Anita Kirmer</strong> präsentierte die ökologischen Ergebnisse einer post-hoc Analyse von Renaturierungsmaßnahmen auf 121 in ganz Deutschland verteilten Flächen. Hier ging es darum, den ökologischen Erfolg in bereits renaturierten Flächen in drei unterschiedlichen Regionen entlang eines Nord-Süd-Gradienten in Deutschland zu erfassen. Durch den Vergleich mit artenreichen und degradierten Referenzgrünlandflächen ließ sich eindrucksvoll zeigen, dass die Renaturierung auf den untersuchten Grünlandflächen alles in allem erfolgreich war. Besonders geeignete Renaturierungsmaßnahmen waren insbesondere die Verwendung von Direkterntemethoden (bspw. Mahdguttransfer) und die Einsaat regionaler Wildpflanzenmischungen. Sind die Pflanzenarten erst einmal wieder etabliert, kommen die Bienen und Schmetterlinge nach.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="559" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3.jpeg" alt="" class="wp-image-987" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-300x185.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-768x473.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p><strong>Prof. Volker Beckmann</strong> ergänzte eine ökonomische Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit von extensiver Pflege. Anhand von den betriebswirtschaftlichen Daten der Bewirtschafter:innen ermittelte sein Team, dass die durchschnittliche Förderung den Mehraufwand der extensiven Bewirtschaftung noch nicht ausgleichen kann.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="603" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1.jpeg" alt="" class="wp-image-985" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1-300x199.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1-768x511.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Anschließend berichtete <strong>Konrad Gray</strong> über die transdisziplinäre Arbeit in den Reallaboren, wo die Renaturierung artenreichen Grünlandes in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und lokalen Akteur:innen gemeinsam erprobt wurde. So kann die aktive Auseinandersetzung zwischen Akteur:innen und mit ihrer Umwelt vielseitige und plurale Werte und Beziehungen miteinander und mit der Natur stärken. Durch gestärkte soziale und sozial-ökologische Bindungen wird nicht nur die Renaturierung von Grünland erfolgreicher, sondern es lassen sich hoffentlich auch langfristig nachhaltige Nutzungskonzepte durch enge Kollaboration schaffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="567" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6.jpeg" alt="" class="wp-image-990" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6-300x188.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6-768x480.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Dann stellte <strong>Dr. Michaela Meyer</strong> vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e. V. (DVL) Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis vor. Der kürzlich veröffentlichte Praxisleitfaden “<strong>Artenreiche Wiesen und Weiden erfolgreich anlegen</strong>” steht kostenlos zum <a href="https://www.dvl.org/publikationen/dvl-schriftenreihe">Download</a> bereit. Darin finden Sie Informationen zu rechtlichen Hintergründen, Fördermöglichkeiten und Ratschläge, wie Hindernisse und Herausforderungen gemeistert werden können.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="505" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4.jpeg" alt="" class="wp-image-988" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4-300x167.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4-768x428.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Zum Abschluss hat <strong>Prof. Vicky Temperton</strong> einen großen integrativen Bogen gezogen zwischen den Ergebnissen aus ökologischer, sozialwissenschaftlicher und sozialökologischer Perspektive.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5.jpeg" alt="" class="wp-image-989" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Die ökologischen Ergebnisse wirken auf dem ersten Blick vielversprechend, aber ein nuancierter zweiter Blick zeigt, wie wichtig es ist, der Variabilität in den Ergebnissen und der Rolle der Bewirtschaftungsweise hierbei Beachtung zu schenken. Hier könnte der seit langem beobachtete Artenschwund und die Wahrnehmung von reduzierter Artenvielfalt als die neue Normalität, der sogenannten “Shifting Baseline” Effekt, eine Rolle spielen. Die artenreichen Referenzflächen waren zwar in einem guten Zustand, aber nicht mehr so artenreich wie vor fünfzig oder hundert Jahren. Somit sehen die Erfolge auf den renaturierten Flächen womöglich besser aus, als sie es gegenüber artenreichen Wiesen und Weiden aus den 1950er Jahren wären. Aus der sozialen Perspektive zeichnet sich ab, dass Renaturierungsprojekte, die partizipativ und sind weniger hierarchischgeführt werden, erfolgreicher sind (zumindest in der Wahrnehmung der Teilnehmenden). Die Mitarbeit und das <em>Mit-Erschaffen</em> (<em>co-creation)</em> in Renaturierungsprojekten hat zu einer Verstärkung relationaler Werte geführt. Diese sogenannten Beziehungswerte sind wichtig für die Verbindung mit dem Lebensraum Grünland und stärken die Motivation diesen zu erhalten. Interessanterweise erwies artenreiches Grünland zum einen als „Problemkind“ im Biodiversitätsverlustbereich und gleichzeitig als Zugpferd für eine Transformation hin zu mehr Vielfalt.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden – Zeugnis unserer Kulturlandschaft – Ergebnis von Mensch-Natur Beziehungen</strong></h3>



<p><strong>Die <em>Grassworks</em>-Hypothese</strong></p>



<p>Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen im Grassworks-Projekt sind sich einig, dass eine erfolgreiche Renaturierung von Grünland nur dann gelingen kann, wenn in die artenarmen Flächen gebietseigene Wildpflanzen, insbesondere Kräuter, etabliert werden können. Dies kann mittels Direkterntemethoden oder der Ansaat artenreicher Samenmischungen aus zertifizierter, regionaler Vermehrung erfolgen. Um die Etablierung dieser eingebrachten Wildpflanzen zu ermöglichen, muss die Fläche gut vorzubereitet werden, d. h. eine Narbenstörung ist unbedingt notwendig. Gleichzeitig schloss der DVL aus der gemeinschaftlichen, wissenschaftlichen und praktischen Arbeit, dass das Miteinander zwischen Landwirt:innen und den Akteuren des Naturschutzes von großer Wichtigkeit ist. Renaturierung und Erhalt von artenreichem Grünland gestaltet sich um ein Vielfaches leichter und erfolgreicher, wenn beide Akteursgruppen nicht als Antagonist:innen agieren. Vielmehr müssen diese als Partner:innen in Beratung und Begleitung eines Vorhabens kollaborieren und sich gegenseitig unterstützen.</p>



<p>Dass ein Miteinander von Akteuren aus Naturschutz und Landwirtschaft besser funktioniert als ein Gegeneinander, wurde auch von den Teilnehmer:innen der abschließenden <strong>Podiumsdiskussion</strong>, <strong>Dr. Jürgen Metzner</strong> vom DVL, <strong>Prof. Sabine Tischew</strong> von der Hochschule Anhalt, <strong>Dr.</strong> <strong>Julian Taffner</strong> von der FEdA und <strong>Steffen Pingen</strong> vom Bundesbauernverband, immer wieder betont. Trotz Differenzen herrschte Einigkeit, dass mehr Anstrengungen zum Schutz von Grünlandökosystemen notwendig seien, aber auch darin, dass die bisherigen Konzepte insbesondere zur Honorierung und Einbeziehung der Landwirte nicht ausreichen. Es kam der Gedanke auf, dass es durchaus eine gute Idee sein könnte, wenn der Bauernverband mit dem DVL zusammen nach Brüssel reisen würde. Die unterschiedlichen Perspektiven der geladenen Gäste wurden von <strong>Dr. Tanja Busse</strong> professionell moderiert und etwaige Widersprüche gekonnt in Szene gesetzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2.jpeg" alt="" class="wp-image-986" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Auch die Forschung in den Reallaboren belegte eine große Übereinstimmung zwischen den Teilnehmenden. Denn auch die Akteur:innen entdeckten, dass sie eine vielfältige Wertschätzung für Grünland teilten und tauschten sich intensiv miteinander aus, welche Bedeutung Wiesen und Weiden für sie in ihrer Heimat haben. Durch diese gefestigten und vielschichtigen Beziehungen mit und um Grünland ließen sich in den Projektregionen Ansätze erarbeiten, die den Zustand und das gesellschaftliche Ansehen artenreichen Grünlandes nachhaltig verbessert haben, was hoffentlich noch lange Bestand hat. Ein Mehr an Verständnis und Wertschätzung füreinander, zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft, kann so einen transformativen Wandel anstoßen, bei dem Grünland als sozial-ökologisches System gesellschaftlich getragenen Artenreichtum produziert. Eine direktere Einbindung in lokale Systeme kann zur (nicht-) monetären Honorierung beitragen und somit die erkannte Lücke an Wertschaffung und Wertschöpfung adressieren. Denn die maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit beitragenden Fördermaßnahmen sind nicht nur häufig betriebswirtschaftlich unzureichend, sondern auch zu kompliziert oder unflexibel für Bewirtschafter:innen und Naturschutzziele.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Gastvorträge zum Thema Multifunktionalität von Grünland</strong></h3>



<p>Einleitende Worte gab <strong>Prof. Josef Settele</strong>, bekannt als Bestäubungsexperte im IPBES (Intergovernmental Panel on Biodiversity and Ecosystem Services), mit einem Rundumblick auf den Artenverlust und der elementaren Rolle des Grünlandes. Er betonte dabei den engen Zusammenhang zwischen der Vielfalt im Offenland und Grünland und der Bereitstellung von Ökosystemleistungen. Das Potenzial der Natur, auf kontinuierliche und nachhaltige Weise zur guten Lebensqualität der Menschen beizutragen, ist bei nahezu allen untersuchten Ökosystemleistungen gesunken.&nbsp;Nur durch die Wiederherstellung von artenreichen Ökosystemen ist es möglich, dieser Entwicklung entgegentreten.</p>



<p><strong>Prof. Eckhard Jedicke</strong> von der Hochschule Geisenheim folgte mit einem klaren Pläidoyer für den Ansatz der Multifunktionalität als Bestandteil einer Transformation hin zu mehr Vielfalt. Nur wenn die wahren Werte des artenreichen Grünlandes, d. h. was es uns geben kann (den Beitrag zum Gemeinwohl), von unserer Gesellschaft klarer wahrgenommen und wertgeschätzt werden, ist eine Transformation möglich.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7.jpeg" alt="" class="wp-image-991" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p>Zum Abschluss hat <strong>Simon Keelan</strong> vom Bundesamt für Naturschutz die ersten Eckpunkte der Planung zur Durchführung der EU-Wiederherstellungsverordnung (EU Restoration Regulation) vorgestellt, und klar gemacht, dass dieser gesetzliche Meilenstein sowohl eine große Chance als auch eine Herausforderung darstellt. Die Kernergebnisse von Projekten wie <em>Grassworks</em> werden bei der flächenhaften Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>So kann es gehen …&nbsp;</strong></h3>



<p><strong>Dr. Simone Schneider</strong> vom SICONA Naturschutzsyndikat Luxemburg präsentierte den eindrucksvollen nationalen Aktionsplan zum Erhalt und der Wiederherstellung artenreichen Grünlandes in Luxembourg, gekennzeichnet durch die klare Priorisierung von notwendigen Maßnahmen. Im Umfang dessen werden jeder Naturschutzbehörde und Organisation personelle und finanzielle Kapazitäten bereitgestellt, um die hoch gesetzten Ziele zu erreichen und insbesondere die persönliche Beratung und Kollaboration mit Landwirt:innen vor Ort zu ermöglichen. Zusätzlich wurde ein Forum auf hoher politischer Ebene gegründet, in welchem zukünftige Positionen und Strategien im Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz für die nationale Ebene ausgearbeitet werden sollen. Insgesamt ein sehr positiver Ausblick für Grünland.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit &amp; Ausblick</strong></h3>



<p>Alles in allem wurde aus den Ergebnissen des <em>Grassworks</em>-Projektes, den Gastvorträgen sowie Publikumsgesprächen und der Podiumsdiskussion deutlich: <strong>Artenreiches Grünland kann was!</strong> Und dafür ist es notwendig, dass Naturschutz, Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Es ist außerdem von Bedeutung, die vielfältigen Werte und Beziehungen bezüglich des artenreichen Grünlandes ins Bewusstsein zu rufen und spürbar zu machen. Deshalb wird nicht nur bei <em>Grassworks</em>, sondern auch bei vielen weiteren akademischen, politischen und gesellschaftlichen Initiativen daran gearbeitet, Gemeinwohlleistungen des Grünlandes bewusst zu machen und dessen Wertschätzung zu verbessern. Derzeit bereiten Forscher:innen aus <em>Grassworks</em> eine Liste von Kernforderungen an die Politik und weitere relevante Akteure vor, um diesen Weg voranzubringen.</p>



<p>Die Präsentationen, Diskussionen und Gespräche der <em>Grassworks</em>-Abschlussveranstaltung konnten Wege und Mittel aufzeigen, wie Forschung und Praxis erfolgreich in Schutz und Wiederherstellung artenreichen Grünlandes zusammenarbeiten und wie die derzeitigen Ansätze weiterentwickelt werden können. Denn Grünland kann was. <strong>Lasst uns dieses Potential nutzen!</strong></p>
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