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	<title>Vicky Temperton &#8211; Ökologische Forschung der Leuphana Universität Lüneburg</title>
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	<title>Vicky Temperton &#8211; Ökologische Forschung der Leuphana Universität Lüneburg</title>
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		<title>Sozial-ökologisches Denken gefragt – Wie Grünlandrenaturierung gelingen kann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jacqueline Poertner&#160;&&#160;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 10:32:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Reallabore]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Transdisziplinarität]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Kreation]]></category>
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		<category><![CDATA[Praxis]]></category>
		<category><![CDATA[sozial-ökologischer Ansatz]]></category>
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					<description><![CDATA[Du bist Forscher*in, Naturschützer*in oder einfach nur Liebhaber*in von Grünland und wünscht dir einen Leitfaden dafür, wie man dieses erfolgreich renaturiert? Perfekt, dann bist du hier genau richtig! Erinnerst du dich noch an das Grassworks-Projekt? Richtig, das Projekt, das aus einer sozial-ökologischen Perspektive untersucht hat, was in Deutschland zum Erfolg bei der Renaturierung von Grünland [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Du bist Forscher*in, Naturschützer*in oder einfach nur Liebhaber*in von Grünland und wünscht dir einen Leitfaden dafür, wie man dieses erfolgreich renaturiert? Perfekt, dann bist du hier genau richtig! Erinnerst du dich noch an das <a href="https://grassworksprojekt.de/"><em>Grassworks</em>-Projekt</a>? Richtig, das Projekt, das aus einer sozial-ökologischen Perspektive untersucht hat, was in Deutschland zum Erfolg bei der Renaturierung von Grünland führt. Nachdem im vergangenen Jahr bei der Abschlussveranstaltung des <em>Grassworks</em>-Projekts in Berlin die <a href="https://ecology.web.leuphana.de/de/grunland-kann-was/">wichtigsten Ergebnisse</a> vorgestellt wurden, haben Temperton et al. (2025) nun einen <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/rec.70109">Forschungsartikel</a> veröffentlicht, der einen Rahmen für die erfolgreiche Renaturierung von Grünland bietet und nichts Geringeres als einen dringend benötigten Leitfaden für Renaturierungsbemühungen in sozial-ökologischen Kontexten weltweit liefert.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein kurzer Rückblick: Warum brauchen wir die Renaturierung von Grünland?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen sind nicht nur oft artenreich und erfüllen eine Vielzahl unterschiedlicher Ökosystemfunktionen, von denen auch wir Menschen profitieren, sondern sie wurden zudem im Vergleich zu anderen Lebensraumtypen vernachlässigt und übernutzt (Kan et al. 2026). Weltweit sind sie durch Zerstörung infolge von Landnutzungsänderungen sowie durch Degradation gefährdet; in weiten Teilen Europas gehören sie zu den am stärksten bedrohten Lebensraumtypen. Alarmierenderweise ist in 75 % der nach EU-Recht geschützten Grünlandschaften ein Rückgang der biologischen Vielfalt zu verzeichnen, wobei Arten verloren gehen, die speziell an offene Ökosysteme wie Grünland angepasst sind. Um den Trend des Biodiversitätsverlusts wieder umzukehren und internationale Verpflichtungen wie das EU-Gesetz zur Widerherstellung der Natur zu erfüllen, müssen wir unsere Anstrengungen zur Ausweitung der ökologischen Wiederherstellung in allen Dimensionen verstärken.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Erfolg von Renaturierung ist sozial-ökologisch – nicht nur ökologisch</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist die soziale Dimension nicht nur ein „nettes Extra“, sondern ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Renaturierung. Wildblumenwiesen sind durch die Umwandlung in Ackerland, durch Aufforstung im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen sowie durch die städtische Entwicklung bedroht. Wir wissen, dass das Ausmaß, in dem Menschen artenreiche natürliche Lebensräume als wichtig oder renaturierungs- bzw. schutzwürdig erachten, oft davon abhängt, wie vertraut sie mit diesen Lebensräumen sind oder welche Verbindung sie zu ihnen haben. Eine transdisziplinäre Untersuchung im Rahmen des <em>Grassworks</em>-Projekts zu den Werten, die Menschen mit Grünland und dessen Renaturierung verbinden, zeigte einen Anstieg relationaler Werte im Laufe der Zeit, da die Akteure an Gruppendiskussionen und einem Austausch über verschiedene ökologische und soziale Facetten des Grünlands teilnahmen. Nach einem Prozess der gemeinsamen Entwicklung von Maßnahmen zur Renaturierung in einem Reallabor (mehr dazu später) wurden intrinsische Werte in Bezug auf Grünland weniger betont, während relationale Werte für die Akteure an Bedeutung gewannen. Solche relationalen Werte stehen oft in engem Zusammenhang mit der Motivation von Akteuren oder Interessengruppen, im Naturschutzbereich aktiv zu werden. Dennoch werden sie jedoch in Forschung und Praxis meist nicht berücksichtigt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Forschungsansatz von <em>Grassworks</em></strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Projekt basierte auf der Hypothese, dass eine erfolgreiche Renaturierung nur dann erreicht werden kann, wenn sowohl die ökologische Komplexität als auch das Engagement der Interessengruppen hoch sind. Um dies zu untersuchen, verglichen die Forscher*innen bereits renaturierte Gebiete mit positiven und negativen Referenzstandorten in drei verschiedenen Regionen von Nord- bis Süddeutschland unter Verwendung des Ansatzes eines natürlichen Landschaftsexperiments. Innerhalb jeder Region entwickelten sie eine nachträgliche Bewertung, um die wichtigsten Faktoren zu analysieren, die den Erfolg der Renaturierung beeinflussen. Darüber hinaus wurden in Reallaboren in allen drei Regionen gemeinsam mit lokalen Interessengruppen Renaturierungsmaßnahmen konzipiert und umgesetzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="571" height="415" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/Graphik-2.png" alt="" class="wp-image-1259" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/Graphik-2.png 571w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/Graphik-2-300x218.png 300w" sizes="(max-width: 571px) 100vw, 571px" /><figcaption class="wp-element-caption">In jeder Region wurden etwa 40 bereits renaturierte Grünlandstandorte untersucht und mit 10 positiven (artenreichen) sowie 10 negativen (degradierten) Referenzstandorten verglichen. Darüber hinaus wurden in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren Reallabore eingerichtet.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was wurde gemessen?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu verstehen, was den Erfolg von Renaturierungsmaßnahmen wirklich ausmacht, sammelten die Forscher*innen ein breites Spektrum an Daten: ökologische Variablen, landschaftsbezogene, wirtschaftliche sowie sozial-ökologische Aspekte. Aus ökologischer Sicht bewerteten die Forscher*innen die Pflanzenvielfalt, die Vegetationsstruktur, die Bodeneigenschaften sowie das Vorkommen von Schmetterlingen und Wildbienen. Da Renaturierung niemals isoliert stattfindet, wurde auch untersucht, wie sich jeder Standort in die umgebende Landschaft – also in deren Vielfalt, Beschaffenheit und landnutzungsbezogenen Kontext &#8211; einfügt. Wirtschaftliche Faktoren wie Renaturierungskosten, Finanzierungsinstrumente und Management wurden mittels Fragebögen erfasst. Und nicht zuletzt untersuchte das <em>Grassworks</em>-Team die Wahrnehmungen und Wertvorstellungen der Interessengruppen hinsichtlich der Renaturierungsansätze.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Welche Rolle spielen Reallabore für den Erfolg von Renaturierung?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen des Projekts wurden Reallabore zu Orten, an denen die gemeinsame Gestaltung von Renaturierungsmaßnahmen in die Tat umgesetzt wurde. Als Kernstück der sozial-ökologischen Dimension bringen Reallabore Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und lokale Gemeinschaften in offenen Räumen zusammen, um auf experimentelle Weise gemeinsames Lernen zu fördern. Jede der drei Regionen verfügte über ein eigenes, an die lokalen Gegebenheiten angepasstes Reallabor – von partizipativen Workshops im Norden Deutschlands über Citizen-Science-Programme und partizipative Pilotaktionen im Zentrum bis hin zur Einrichtung eines Online-Forums im Süden. Diese Räume zeigen, dass es bei der Renaturierung von Grünland nicht nur um die Ökologie geht, sondern auch um das Vertrauen und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Reallabore schaffen soziale Verbindungen sowie gemeinsame Ziele und Verständnisse, die zu einer höheren Akzeptanz von Renaturierungsmaßnahmen führen.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" data-id="1250" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-1250" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121-1024x683.jpg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121-300x200.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121-768x512.jpg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121-1536x1025.jpg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG-20250114-WA00121.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" data-id="1249" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1249" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55-1024x768.jpg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55-300x225.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55-768x576.jpg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55-1536x1152.jpg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/PHOTO-2024-06-28-19-25-55.jpg 2000w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="807" data-id="1251" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-1024x807.jpg" alt="" class="wp-image-1251" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-1024x807.jpg 1024w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-300x236.jpg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-768x605.jpg 768w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-1536x1211.jpg 1536w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2026/04/wir-lieben-landschaft-2048x1614.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
<figcaption class="blocks-gallery-caption wp-element-caption"><em>Das Grassworks-Team in Aktion</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was passiert hinter den Kulissen von <em>Grassworks</em>?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Besondere an dieser Veröffentlichung von Temperton et al. ist, dass die Forscher*innen Überlegungen zu verschiedenen Schritten des Prozesses einfließen ließen, um die Forschung übertragbarer zu machen. So reflektieren sie beispielsweise die Auswahl der renaturierten Standorte, wobei ihnen schnell klar wurde, dass sich die Grünlandflächen in den verschiedenen Regionen Deutschlands stark voneinander unterscheiden. Das Team strebte eine ausgewogene Auswahl an Standorten an, musste sich jedoch mit dem begnügen, was die verschiedenen Gebiete zu bieten hatten. Überraschenderweise war die Suche nach geeigneten Referenzstandorten noch schwieriger als erwartet. Das ursprüngliche Ziel war es, jeden renaturierten Standort mit einem positiven und einem negativen Referenzstandort zu vergleichen, doch dies erwies sich als nicht realisierbar, da artenreiche Referenzstandorte in Deutschland offenbar eher selten geworden sind. Die Suche nach degradierten Standorten gestaltete sich jedoch noch schwieriger, da die Landbesitzer*innen interessanterweise zögerten, Grünland mit geringer Artenvielfalt zur Verfügung zu stellen. Diese Erkenntnisse erinnern uns daran, warum gesellschaftlich akzeptierte großflächige Renaturierungen dringend erforderlich sind.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Implikationen für die Praxis: Was ist die Take-Home Message? &nbsp;</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Allerwichtigste: Wir brauchen groß angelegte Projekte wie <em>Grassworks</em>, die an vielen Standorten ein breites Spektrum an Faktoren untersuchen, sodass wir fundiertere Schlüsse darüber ziehen können, was bei der Renaturierung zum Erfolg führt. Ebenso geht es bei der Renaturierung nicht nur darum, Samen zu säen oder Veränderungen an biophysikalischen Komponenten oder der Biodiversität vorzunehmen – es geht um Vertrauen, Verbundenheit, Motivation und die Zusammenarbeit der Menschen. Um dies zu erreichen, ist ein kooperativer, lokal angepasster Ansatz am effektivsten, der die Machtverhältnisse zwischen allen Akteuren kritisch reflektiert. Ja, ein sozioökologischer Ansatz wie der des <em>Grassworks</em>-Projekts erfordert ein hohes Maß an Offenheit, Austausch und Zeit, aber der Aufwand lohnt sich! Die transdisziplinäre Berücksichtigung der sozialen und politischen Dimensionen der Renaturierung ist entscheidend für die Ausweitung der Bemühungen. Die Reallabore zeigen uns, wie eine gemeinsame Gestaltung des Prozesses zu einer besser akzeptierten und nachhaltigeren Renaturierung führen kann, und genau das brauchen wir, wenn wir den Erfolg dabei höherschrauben wollen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bleib dran &#8211; <em>Grassworks</em> ist noch in Arbeit</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den kommenden Wochen werden mehrere wichtige Veröffentlichungen von <em>Grassworks</em> in wissenschaftlichen Fachzeitschriften erscheinen, darunter eine zentrale Studie zu den Auswirkungen verschiedener Renaturierungsmethoden auf die Vegetationsentwicklung sowie ein Artikel über die Werte, die Menschen Grünlandflächen der Landschaft. Also bleib‘ dran – und schau mal auf der <em><a href="https://grassworksprojekt.de/hintergrund-des-projekts/">Grassworks-Website</a></em> vorbei für aktuelle Informationen zu den Veröffentlichungen. Wenn du in der Zwischenzeit mehr über den Ansatz und die Reflexionen der Forscher*innen über den Prozess erfahren möchten, findest du den Artikel von Temperton et al. (2025) hier: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/rec.70109</p>



<p class="wp-block-paragraph">Literatur: <br>Kan et al. (2026) Overlooked and overexploited: Extensive conversion of grasslands and wetlands driven by global food, feed, and bioenergy demand. PNAS. <a href="https://doi.org/10.1073/pnas.2521183123">https://doi.org/10.1073/pnas.2521183123</a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Renaturierung und Klimaschutz: ein Realitätscheck</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&#160;&&#160;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Aug 2025 07:56:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Kohlenstoffspeicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Strategie]]></category>
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					<description><![CDATA[Vom lokalen Versprechen, Bäume zu pflanzen, bis hin zu globalen Kampagnen zur Wiederbewaldung – die Renaturierung von Ökosystemen ist zu einem Slogan geworden, der für Klimaschutzmaßnahmen wirbt. Aber kann die Natur wirklich genug Kohlenstoff aufnehmen, um uns zu helfen, die globalen Klimaziele zu erreichen? Eine neue, in Nature Geoscience veröffentlichte Studie von Tölgyesi et al. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vom lokalen Versprechen, Bäume zu pflanzen, bis hin zu globalen Kampagnen zur Wiederbewaldung – die Renaturierung von Ökosystemen ist zu einem Slogan geworden, der für Klimaschutzmaßnahmen wirbt. Aber kann die Natur wirklich genug Kohlenstoff aufnehmen, um uns zu helfen, die globalen Klimaziele zu erreichen? Eine neue, in Nature Geoscience veröffentlichte Studie von Tölgyesi et al. (2025), an der auch Vicky Temperton vom Leuphana Institut für Ökologie beteiligt ist, legt nahe, dass wir unsere Erwartungen neu kalibrieren müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Botschaft ist klar: Renaturierung wird nur eine begrenzte Rolle bei der Abschwächung des Klimawandels spielen. Das macht sie jedoch nicht weniger wichtig für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Stärkung der Resilienz von Ökosystemen und die lokale Anpassung an den Klimawandel.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein ganzheitlicher Ansatz für globale Renaturierung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Frühere Studien über das Potenzial der Kohlenstoffbindung durch Renaturieurng konzentrierten sich auf die Wälder und den gesamten Kohlenstoffbestand und gingen davon aus, dass die Wiederherstellung bis zu zwei Drittel der Kohlenstoffemissionen ausgleichen könnte. Diese Schätzungen basierten jedoch auf ungenauen, unsicheren und unrealistischen Annahmen, z. B. über die Verfügbarkeit von Land für Renaturierungsmaßnahmen oder die politische Durchführbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tölgyesi, Temperton und ihre Kolleg:innen verfolgten einen breiteren Ansatz. Sie:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>modellierten das Wiederherstellungspotenzial für vier wichtige Ökosysteme: Wälder, Buschland, Grünland und Feuchtgebiete, indem sie eine umfangreiche Datenbank mit hochauflösenden Satellitendaten verwendeten.</li>



<li>setzten maschinelles Lernen ein zur Vorhersage des potenziellen Deckungsgrads einheimischer Ökosystemtypen an terrestrischen Standorten unter Verwendung von Klima-, Boden- und topografischen Prädiktoren</li>



<li>schätzten die Kohlenstoffbindung anhand jährlicher Raten, nicht der Gesamtbestände, über den Zeitraum von 2030 bis 2100 für insgesamt 12 Biom-Ökosystem-Kombinationen (z. B. gemäßigte Wälder, tropisches Grünland).</li>



<li>filterten die für die Wiederherstellung verfügbare Fläche, indem Gebiete ausgeschlossen wurden, die intakt oder bebaut sind, intensiv bewirtschaftet werden oder eine geringe Produktivität aufweisen (z. B. polare oder trockene Regionen).</li>



<li>berücksichtigten künftige Klimaszenarien und Zustandsänderungen von Ökosystemen, die zu Verlusten bei bestehenden Kohlenstoffvorräten führen können.</li>
</ul>



<h3 class="wp-block-heading">Das sind die Ergebnisse</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie schätzt, dass durch Renaturierung der maximal verfügbaren Fläche unter den derzeitigen Klimabedingungen bis zum Jahr 2100 96,9 Gigatonnen Kohlenstoff (Gt C) gebunden werden könnten. Das scheint viel zu sein, oder? Der Realitätscheck zeigt: Das sind gerade einmal 17,6 % der gesamten bisherigen anthropogenen Emissionen oder zwischen 3,7 % und 12,0 % der prognostizierten künftigen Emissionen (also je nach den vier verwendeten globalen Emissionsszenarien, den so genannten Shared Socioeconomic Pathways).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber, und das ist der Knackpunkt, wenn die Renaturierung an die zukünftigen Klimabedingungen angepasst wird und die zu erwartenden Zustandsänderungen der Ökosysteme (z. B. Umwandlung von Wald in Savanne) berücksichtigt werden, sinkt der Kohlenstoffnutzen auf fast Null. Das scheint zunächst ziemlich ernüchternd zu sein. Doch diese realistische Einschätzung ist äußerst wichtig und birgt Chancen für den Klima- und Naturschutz. Und warum? Lesen Sie weiter.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein wichtiger Vergleich: Wälder vs. offene Ökosysteme</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine große Stärke dieser Studie ist, dass sie über Bäume und Wälder hinausgeht. Grünland, Buschland und Feuchtgebiete (offene Ökosysteme) werden oft übersehen, obwohl sie beträchtliche Mengen an Kohlenstoff speichern (insbesondere unterirdisch), eine höhere Albedo haben und widerstandsfähiger gegen Feuer und Dürre sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im realistischsten Renaturierungsszenario dieser Studie stammen etwa 58 % der Kohlenstoffgewinne aus Wäldern, 42 % aus offenen Ökosystemen. Diese ausgewogene Sichtweise trägt dazu bei, den Fehler zu vermeiden, Bäume dort zu pflanzen, wo sie nicht hingehören &#8211; ein unbedachtes Vorgehen, das derzeit stattfindet und der biologischen Vielfalt sowie den lokalen Nährstoff- und Wasserkreisläufen schaden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Politische Folgerung: Weniger Kohlenstoff, mehr Resilienz</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollten wir also daraus lernen?</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Ein sehr wichtiger Punkt: Die Renaturierung von Ökosystemen ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, nur eben nicht als Allheilmittel gegen den Klimawandel.</li>



<li>Renaturierung sollte daher eher im Interesse der biologischen Vielfalt, der Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und der lokalen Anpassung an den Klimawandel erfolgen.</li>



<li>Es kommt darauf an, Prioritäten zu setzen: Die Forschenden identifizierten spezifische 100×100 km große Prioritätszonen, in denen Renaturierung den größten Nutzen für den Kohlenstoffgehalt bringen könnte, darunter auch gemäßigte Gebiete wie amerikanische Prärien und zentralasiatische Steppen und nicht nur die zuvor priorisierten tropischen Regenwaldregionen.</li>
</ol>



<h3 class="wp-block-heading">Wir brauchen ein Umdenken</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autor:innen kommen zu dem Schluss, dass Renaturierung neu positioniert werden sollte: von einem Instrument zur Emissionsreduktion zu einer Strategie für Klimaanpassung, Schutz der biologischen Vielfalt und Unterstützung von Ökosystemleistungen. Dies ist auch in wichtigen politischen Maßnahmen und Agenden wie dem EU-Renaturierungs-Gesetz 2024 und der UN-Dekade zur Renaturierung von Ökosystemen bereits enthalten. Es ist jedoch eine klarere Kommunikation darüber erforderlich, was Renaturierung leisten kann und was nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt Kohlenstoffgutschriften nachzujagen, sollten wir Ökosysteme wiederherstellen, um Mensch und Natur bei der gemeinsamen Anpassung an eine ungewisse Klimazukunft zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Studie ist ein wichtiger Meilenstein, nicht nur für die Wissenschaft an der Leuphana, sondern auch für die globale Gemeinschaft der Renaturierungsforschung. Sie setzt einen neuen Maßstab dafür, wie das Renaturierungspotenzial bewertet werden sollte: mit ökologischem Feingefühl, räumlichem Realismus und Klimavorausschau.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph">Sie können das Paper hier lesen und teilen: <a href="https://www.nature.com/articles/s41561-025-01742-z">https://www.nature.com/articles/s41561-025-01742-z</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mitteilung der Nachhaltigkeitsfakultät zur Studie finden Sie hier: <a href="https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/aktuell/ansicht/2025/08/06/neue-wissenschaftliche-belege-fuer-unwirksame-und-ungerechte-klimapolitik.html ">https://www.leuphana.de/einrichtungen/fakultaet/nachhaltigkeit/aktuell/ansicht/2025/08/06/neue-wissenschaftliche-belege-fuer-unwirksame-und-ungerechte-klimapolitik.html </a></p>
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		<title>Grünland kann was! </title>
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		<dc:creator><![CDATA[Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2025 09:04:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Grünland]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Renaturierung]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
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		<category><![CDATA[Sozial-Ökologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Info: Der folgende Artikel wurde ursprünglich auf dem Grassworks-Blog veröffentlicht. Autor:innen: Vicky Temperton, Line Sturm, Lukas Kuhn, Anita Kirmer, Miriam Wiesmeier Wie erfolgreich ist die Renaturierung von artenreichem Grünland in Deutschland? Mit dieser Frage haben sich Forscher:innen seit vielen Jahren beschäftigt und schließlich vor vier Jahren das Grassworks-Projekt ins Leben gerufen, gefördert über die Forschungsinitiative [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Info: Der folgende Artikel wurde ursprünglich auf dem <a href="https://grassworksprojekt.de/blog/gruenland-kann-was/">Grassworks-Blog</a> veröffentlicht. </em><br><br><em>Autor:innen: Vicky Temperton, Line Sturm, Lukas Kuhn, Anita Kirmer, Miriam Wiesmeier </em></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Wie erfolgreich ist die Renaturierung von artenreichem Grünland in Deutschland? Mit dieser Frage haben sich Forscher:innen seit vielen Jahren beschäftigt und schließlich vor vier Jahren das <em>Grassworks</em>-Projekt ins Leben gerufen, gefördert über die Forschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ein gelungener Abschluss und ein hoffnungsvoller Tag für die Renaturierung von artenreichem Grünland</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich war es so weit: bei der <a href="https://grassworksprojekt.de/grassworks-abschlussveranstaltung/"><em>Grassworks</em>-Abschlussveranstaltung</a> stellten wir unsere Erkenntnisse zu Erfolgsfaktoren bei der Renaturierung artenreicher Wiesen und Weiden aus den Blickwinkeln der Ökologie, Ökonomie und Sozial-Ökologie vor. Im gläsernen Saal der Vertretung des Landes Niedersachsen in Berlin empfingen wir rund 50 Teilnehmer:innen mit dem Geruch von Heu, viel Anschauungsmaterial zu regionalen Wildpflanzenmischungen und einem spannenden Vortragsprogramm. Zusätzlich nahmen knapp 200 weitere Personen online an der Veranstaltung teil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Forscher:innen von <em>Grassworks</em> und unsere geladenen Gäste präsentierten und diskutierten über die Faszination Grünland, wie es um seine Wiederherstellung steht und was wir für artenreiches Grünland tun können. Die bekannte Moderatorin Dr. Tanja Busse, die über sehr viel Erfahrung im Zusammenbringen der Themen Landwirtschaft und Biodiversität verfügt, setzte mit gewohnt scharfem Verstand und Charme den Gesamtrahmen. Die Veranstaltung wurde von <strong>Dr.</strong> <strong>Tanja Busse</strong> und <strong>Prof. Vicky Temperton </strong>mit Worten zur Dringlichkeit des Zusammenbringens von Artenvielfalt und Landwirtschaft eröffnet. Nur wenn wir einen Weg des Miteinanders finden, kann es eine nachhaltige Zukunft geben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="563" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.jpeg" alt="" class="wp-image-984" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-300x186.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-768x477.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Prof. Vicky Temperton, Co-Projektleiterin mit Prof. Anita Kirmer, hat die Ziele der Veranstaltung und den Rahmen des <em>Grassworks</em>-Projektes vorgestellt, gefolgt von einem Überblick über die Ziele und Projekte der <a href="https://www.feda.bio/de/">FEdA-Forschungsinitiative</a> von <strong>Dr. Julian Taffner</strong>, dem Leiter der zentralen Koordinationsstelle.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Erkenntnisse aus dem <em>Grassworks</em>-Projekt: Vielfältige Perspektiven auf eine multifunktionale Grünlandrenaturierung- Grünland kann was!&nbsp;</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prof. Anita Kirmer</strong> präsentierte die ökologischen Ergebnisse einer post-hoc Analyse von Renaturierungsmaßnahmen auf 121 in ganz Deutschland verteilten Flächen. Hier ging es darum, den ökologischen Erfolg in bereits renaturierten Flächen in drei unterschiedlichen Regionen entlang eines Nord-Süd-Gradienten in Deutschland zu erfassen. Durch den Vergleich mit artenreichen und degradierten Referenzgrünlandflächen ließ sich eindrucksvoll zeigen, dass die Renaturierung auf den untersuchten Grünlandflächen alles in allem erfolgreich war. Besonders geeignete Renaturierungsmaßnahmen waren insbesondere die Verwendung von Direkterntemethoden (bspw. Mahdguttransfer) und die Einsaat regionaler Wildpflanzenmischungen. Sind die Pflanzenarten erst einmal wieder etabliert, kommen die Bienen und Schmetterlinge nach.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="559" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3.jpeg" alt="" class="wp-image-987" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-300x185.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-3-768x473.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prof. Volker Beckmann</strong> ergänzte eine ökonomische Einschätzung zur Wirtschaftlichkeit von extensiver Pflege. Anhand von den betriebswirtschaftlichen Daten der Bewirtschafter:innen ermittelte sein Team, dass die durchschnittliche Förderung den Mehraufwand der extensiven Bewirtschaftung noch nicht ausgleichen kann.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="603" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1.jpeg" alt="" class="wp-image-985" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1-300x199.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-1-768x511.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend berichtete <strong>Konrad Gray</strong> über die transdisziplinäre Arbeit in den Reallaboren, wo die Renaturierung artenreichen Grünlandes in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und lokalen Akteur:innen gemeinsam erprobt wurde. So kann die aktive Auseinandersetzung zwischen Akteur:innen und mit ihrer Umwelt vielseitige und plurale Werte und Beziehungen miteinander und mit der Natur stärken. Durch gestärkte soziale und sozial-ökologische Bindungen wird nicht nur die Renaturierung von Grünland erfolgreicher, sondern es lassen sich hoffentlich auch langfristig nachhaltige Nutzungskonzepte durch enge Kollaboration schaffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="567" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6.jpeg" alt="" class="wp-image-990" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6-300x188.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-6-768x480.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann stellte <strong>Dr. Michaela Meyer</strong> vom Deutschen Verband für Landschaftspflege e. V. (DVL) Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis vor. Der kürzlich veröffentlichte Praxisleitfaden “<strong>Artenreiche Wiesen und Weiden erfolgreich anlegen</strong>” steht kostenlos zum <a href="https://www.dvl.org/publikationen/dvl-schriftenreihe">Download</a> bereit. Darin finden Sie Informationen zu rechtlichen Hintergründen, Fördermöglichkeiten und Ratschläge, wie Hindernisse und Herausforderungen gemeistert werden können.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="505" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4.jpeg" alt="" class="wp-image-988" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4-300x167.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-4-768x428.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss hat <strong>Prof. Vicky Temperton</strong> einen großen integrativen Bogen gezogen zwischen den Ergebnissen aus ökologischer, sozialwissenschaftlicher und sozialökologischer Perspektive.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5.jpeg" alt="" class="wp-image-989" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-5-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die ökologischen Ergebnisse wirken auf dem ersten Blick vielversprechend, aber ein nuancierter zweiter Blick zeigt, wie wichtig es ist, der Variabilität in den Ergebnissen und der Rolle der Bewirtschaftungsweise hierbei Beachtung zu schenken. Hier könnte der seit langem beobachtete Artenschwund und die Wahrnehmung von reduzierter Artenvielfalt als die neue Normalität, der sogenannten “Shifting Baseline” Effekt, eine Rolle spielen. Die artenreichen Referenzflächen waren zwar in einem guten Zustand, aber nicht mehr so artenreich wie vor fünfzig oder hundert Jahren. Somit sehen die Erfolge auf den renaturierten Flächen womöglich besser aus, als sie es gegenüber artenreichen Wiesen und Weiden aus den 1950er Jahren wären. Aus der sozialen Perspektive zeichnet sich ab, dass Renaturierungsprojekte, die partizipativ und sind weniger hierarchischgeführt werden, erfolgreicher sind (zumindest in der Wahrnehmung der Teilnehmenden). Die Mitarbeit und das <em>Mit-Erschaffen</em> (<em>co-creation)</em> in Renaturierungsprojekten hat zu einer Verstärkung relationaler Werte geführt. Diese sogenannten Beziehungswerte sind wichtig für die Verbindung mit dem Lebensraum Grünland und stärken die Motivation diesen zu erhalten. Interessanterweise erwies artenreiches Grünland zum einen als „Problemkind“ im Biodiversitätsverlustbereich und gleichzeitig als Zugpferd für eine Transformation hin zu mehr Vielfalt.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Artenvielfalt auf Wiesen und Weiden – Zeugnis unserer Kulturlandschaft – Ergebnis von Mensch-Natur Beziehungen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die <em>Grassworks</em>-Hypothese</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen im Grassworks-Projekt sind sich einig, dass eine erfolgreiche Renaturierung von Grünland nur dann gelingen kann, wenn in die artenarmen Flächen gebietseigene Wildpflanzen, insbesondere Kräuter, etabliert werden können. Dies kann mittels Direkterntemethoden oder der Ansaat artenreicher Samenmischungen aus zertifizierter, regionaler Vermehrung erfolgen. Um die Etablierung dieser eingebrachten Wildpflanzen zu ermöglichen, muss die Fläche gut vorzubereitet werden, d. h. eine Narbenstörung ist unbedingt notwendig. Gleichzeitig schloss der DVL aus der gemeinschaftlichen, wissenschaftlichen und praktischen Arbeit, dass das Miteinander zwischen Landwirt:innen und den Akteuren des Naturschutzes von großer Wichtigkeit ist. Renaturierung und Erhalt von artenreichem Grünland gestaltet sich um ein Vielfaches leichter und erfolgreicher, wenn beide Akteursgruppen nicht als Antagonist:innen agieren. Vielmehr müssen diese als Partner:innen in Beratung und Begleitung eines Vorhabens kollaborieren und sich gegenseitig unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass ein Miteinander von Akteuren aus Naturschutz und Landwirtschaft besser funktioniert als ein Gegeneinander, wurde auch von den Teilnehmer:innen der abschließenden <strong>Podiumsdiskussion</strong>, <strong>Dr. Jürgen Metzner</strong> vom DVL, <strong>Prof. Sabine Tischew</strong> von der Hochschule Anhalt, <strong>Dr.</strong> <strong>Julian Taffner</strong> von der FEdA und <strong>Steffen Pingen</strong> vom Bundesbauernverband, immer wieder betont. Trotz Differenzen herrschte Einigkeit, dass mehr Anstrengungen zum Schutz von Grünlandökosystemen notwendig seien, aber auch darin, dass die bisherigen Konzepte insbesondere zur Honorierung und Einbeziehung der Landwirte nicht ausreichen. Es kam der Gedanke auf, dass es durchaus eine gute Idee sein könnte, wenn der Bauernverband mit dem DVL zusammen nach Brüssel reisen würde. Die unterschiedlichen Perspektiven der geladenen Gäste wurden von <strong>Dr. Tanja Busse</strong> professionell moderiert und etwaige Widersprüche gekonnt in Szene gesetzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2.jpeg" alt="" class="wp-image-986" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-2-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Forschung in den Reallaboren belegte eine große Übereinstimmung zwischen den Teilnehmenden. Denn auch die Akteur:innen entdeckten, dass sie eine vielfältige Wertschätzung für Grünland teilten und tauschten sich intensiv miteinander aus, welche Bedeutung Wiesen und Weiden für sie in ihrer Heimat haben. Durch diese gefestigten und vielschichtigen Beziehungen mit und um Grünland ließen sich in den Projektregionen Ansätze erarbeiten, die den Zustand und das gesellschaftliche Ansehen artenreichen Grünlandes nachhaltig verbessert haben, was hoffentlich noch lange Bestand hat. Ein Mehr an Verständnis und Wertschätzung füreinander, zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft, kann so einen transformativen Wandel anstoßen, bei dem Grünland als sozial-ökologisches System gesellschaftlich getragenen Artenreichtum produziert. Eine direktere Einbindung in lokale Systeme kann zur (nicht-) monetären Honorierung beitragen und somit die erkannte Lücke an Wertschaffung und Wertschöpfung adressieren. Denn die maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit beitragenden Fördermaßnahmen sind nicht nur häufig betriebswirtschaftlich unzureichend, sondern auch zu kompliziert oder unflexibel für Bewirtschafter:innen und Naturschutzziele.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Gastvorträge zum Thema Multifunktionalität von Grünland</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einleitende Worte gab <strong>Prof. Josef Settele</strong>, bekannt als Bestäubungsexperte im IPBES (Intergovernmental Panel on Biodiversity and Ecosystem Services), mit einem Rundumblick auf den Artenverlust und der elementaren Rolle des Grünlandes. Er betonte dabei den engen Zusammenhang zwischen der Vielfalt im Offenland und Grünland und der Bereitstellung von Ökosystemleistungen. Das Potenzial der Natur, auf kontinuierliche und nachhaltige Weise zur guten Lebensqualität der Menschen beizutragen, ist bei nahezu allen untersuchten Ökosystemleistungen gesunken.&nbsp;Nur durch die Wiederherstellung von artenreichen Ökosystemen ist es möglich, dieser Entwicklung entgegentreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prof. Eckhard Jedicke</strong> von der Hochschule Geisenheim folgte mit einem klaren Pläidoyer für den Ansatz der Multifunktionalität als Bestandteil einer Transformation hin zu mehr Vielfalt. Nur wenn die wahren Werte des artenreichen Grünlandes, d. h. was es uns geben kann (den Beitrag zum Gemeinwohl), von unserer Gesellschaft klarer wahrgenommen und wertgeschätzt werden, ist eine Transformation möglich.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="907" height="680" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7.jpeg" alt="" class="wp-image-991" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7.jpeg 907w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7-300x225.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2025/04/image-7-768x576.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 907px) 100vw, 907px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Abschluss hat <strong>Simon Keelan</strong> vom Bundesamt für Naturschutz die ersten Eckpunkte der Planung zur Durchführung der EU-Wiederherstellungsverordnung (EU Restoration Regulation) vorgestellt, und klar gemacht, dass dieser gesetzliche Meilenstein sowohl eine große Chance als auch eine Herausforderung darstellt. Die Kernergebnisse von Projekten wie <em>Grassworks</em> werden bei der flächenhaften Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>So kann es gehen …&nbsp;</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dr. Simone Schneider</strong> vom SICONA Naturschutzsyndikat Luxemburg präsentierte den eindrucksvollen nationalen Aktionsplan zum Erhalt und der Wiederherstellung artenreichen Grünlandes in Luxembourg, gekennzeichnet durch die klare Priorisierung von notwendigen Maßnahmen. Im Umfang dessen werden jeder Naturschutzbehörde und Organisation personelle und finanzielle Kapazitäten bereitgestellt, um die hoch gesetzten Ziele zu erreichen und insbesondere die persönliche Beratung und Kollaboration mit Landwirt:innen vor Ort zu ermöglichen. Zusätzlich wurde ein Forum auf hoher politischer Ebene gegründet, in welchem zukünftige Positionen und Strategien im Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz für die nationale Ebene ausgearbeitet werden sollen. Insgesamt ein sehr positiver Ausblick für Grünland.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit &amp; Ausblick</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Alles in allem wurde aus den Ergebnissen des <em>Grassworks</em>-Projektes, den Gastvorträgen sowie Publikumsgesprächen und der Podiumsdiskussion deutlich: <strong>Artenreiches Grünland kann was!</strong> Und dafür ist es notwendig, dass Naturschutz, Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Es ist außerdem von Bedeutung, die vielfältigen Werte und Beziehungen bezüglich des artenreichen Grünlandes ins Bewusstsein zu rufen und spürbar zu machen. Deshalb wird nicht nur bei <em>Grassworks</em>, sondern auch bei vielen weiteren akademischen, politischen und gesellschaftlichen Initiativen daran gearbeitet, Gemeinwohlleistungen des Grünlandes bewusst zu machen und dessen Wertschätzung zu verbessern. Derzeit bereiten Forscher:innen aus <em>Grassworks</em> eine Liste von Kernforderungen an die Politik und weitere relevante Akteure vor, um diesen Weg voranzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Präsentationen, Diskussionen und Gespräche der <em>Grassworks</em>-Abschlussveranstaltung konnten Wege und Mittel aufzeigen, wie Forschung und Praxis erfolgreich in Schutz und Wiederherstellung artenreichen Grünlandes zusammenarbeiten und wie die derzeitigen Ansätze weiterentwickelt werden können. Denn Grünland kann was. <strong>Lasst uns dieses Potential nutzen!</strong></p>
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		<title>Von Wiesen und Weiden: Grünland für den Klima- und Artenschutz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&#160;&&#160;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Oct 2024 12:10:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biodiversity]]></category>
		<category><![CDATA[Grasslands]]></category>
		<category><![CDATA[Natural Climate Solutions]]></category>
		<category><![CDATA[Policy-making]]></category>
		<category><![CDATA[communication]]></category>
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					<description><![CDATA[Grünland, das etwa 40 % der globalen Landfläche bedeckt, bietet zahlreiche Ökosystemdienstleistungen, darunter Biodiversität, Wasserspeicherung, Erosionsschutz und: eine langfristige Kohlenstoffspeicherung im Boden. Im 2023 herausgegebenen Band „Warnsignal Klima: Hilft Technik gegen die Erderwärmung?“ schreibt Vicky Temperton vom Institut für Ökologie der Leuphana Universität von der Bedeutung von artenreichem Grünland im Kontext des Klimaschutzes und der [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Grünland, das etwa 40 % der globalen Landfläche bedeckt, bietet zahlreiche Ökosystemdienstleistungen, darunter Biodiversität, Wasserspeicherung, Erosionsschutz und: eine langfristige Kohlenstoffspeicherung im Boden. Im 2023 herausgegebenen Band „Warnsignal Klima: Hilft Technik gegen die Erderwärmung?“ schreibt Vicky Temperton vom Institut für Ökologie der Leuphana Universität von der Bedeutung von artenreichem Grünland im Kontext des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel. &nbsp;Die Resilienz von Grünland gegenüber Extremwetterereignissen wie Dürren, Bränden oder Starkregen und seine hohe Albedo (Reflexionsfähigkeit von Sonnenlicht) sind dabei wichtige Faktoren, die jedoch oft in der Diskussion um natürliche Klimalösungen (Natural Climate Solutions, NCS) vernachlässigt werden. Warum ist das so?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von Wäldern und Wissenslücken: Ein ganzheitlicher Blick auf den Klimaschutz</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Temperton weist darauf hin, dass erhebliche Wissenslücken in der wissenschaftlichen Analyse des Klimaschutzpotenzials verschiedener Ökosysteme bestehen und diese das Silodenken im wissenschaftlichen, aber auch im politischen Kontext begründen und verstärken. So gibt es beispielsweise weniger Studien zur Beeinflussung der Kohlenstoffspeicherung durch die Intensität der Landnutzung, zur Komplexität der Kohlenstoffspeicherungsmechanismen und -bedingungen sowie weniger vergleichende Studien zur Speicherfähigkeit verschiedener Ökosysteme. In der politischen Sphäre führt die Trennung beispielsweise der Ministerien für Landwirtschaft und Naturschutz dazu, dass Wechselwirkungen zwischen Landnutzung, Lebensraum und Klimaschutzpotenzial nicht ausreichend berücksichtigt und zusammengedacht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritisch zu betrachten ist daher auch die gegenwärtige Fokussierung auf Aufforstung als die beste Lösung für den Klimaschutz. Der sogenannte „biome bias“, der Wälder in der öffentlichen Wahrnehmung bevorzugt, kann im schlechtesten Fall sogar dazu führen, dass unüberlegte Aufforstungsinitiativen auf Kosten anderer Ökosysteme zu einem Verlust an Biodiversität führen. Der Erhalt der Biodiversität ist jedoch entscheidend für die Effektivität von Klimaschutzmaßnahmen, da eine hohe Artenvielfalt die Stabilität und Resilienz von Ökosystemen erhöht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von Wechselwirkungen und Weitblick: Strategien zusammendenken</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen den Verlust der biologischen Vielfalt ebenso berücksichtigen wie den Klimawandel und ihre Wechselwirkungen. Auf der Suche nach guten natürlichen Klimalösungen täten wir gut daran, vergleichende wissenschaftliche Bewertungen vorzunehmen, die systematisch die verschiedenen multifunktionalen Wirkungen der verschiedenen Lebensraumtypen vergleichen. So sollten auch auf politischer Ebene mehr integrative Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Eine solche Maßnahme ist die Wiederherstellung und Erhaltung von artenreichem Grünland &#8211; eine Win-Win-Lösung für den Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So fordert der Artikel eine umfassendere Betrachtung der Rolle von Grünland und anderen Ökosystemen wie Mooren, Feuchtwiesen, Heiden, Mangroven und Seegraswiesen in der Klimawissenschaft und -politik. Die Komplexität der ökologischen Systeme und Prozesse müssen anerkannt und die Wechselwirkungen zwischen Klima- und Artenschutz für eine effektive nachhaltige Strategie in den Mittelpunkt gestellt werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Den Artikel sowie das gesamte Band finden Sie hier: <a href="https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/buchreihe/climate-engineering/">https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/buchreihe/climate-engineering/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Buchreihe „Warnsignale“ umfasst bisher 20 Bände mit rund 800 umwelt- und klimarelevanten Artikeln, die von etwa 1.500 Fachleuten aus knapp 500 Forschungs- und Umweltorganisationen verfasst wurden. Ziel der Reihe ist es, einen Beitrag zur breiten öffentlichen Diskussion an Bildungseinrichtungen, in den Medien, unter interessierten Laien sowie in Politik und Verwaltung über unseren Umgang mit der Umwelt und zum Klimaschutz zu leisten.&nbsp;</em></p>
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			</item>
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		<title>Barrieren abbauen: Ein Aufruf zur Kohäsion bei Studien über Prioritätseffekte</title>
		<link>https://ecology.web.leuphana.de/de/barrieren-abbauen-ein-aufruf-zur-kohasion-bei-studien-uber-prioritatseffekte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Greta Bindernagel&#160;&&#160;Vicky Temperton]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Sep 2024 12:45:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interdisciplinarity]]></category>
		<category><![CDATA[Priority Effects]]></category>
		<category><![CDATA[Research]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Interdisziplinarität]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[paper]]></category>
		<category><![CDATA[Prioritätseffekte]]></category>
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					<description><![CDATA[Prioritätseffekte sind Phänomene, bei denen die Auswirkungen von Arten aufeinander von der Reihenfolge des Eintreffens der Arten an einem Ort abhängen. Dabei können zwei unterschiedliche Typen des Effekts unterschieden werden: der hemmende und der fördernde. Ersterer beschreibt, dass die sich früher etablierende Art die Durchsetzung, das Wachstum oder die Fortpflanzung einer später eintreffenden Art negativ [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Prioritätseffekte sind Phänomene, bei denen die Auswirkungen von Arten aufeinander von der Reihenfolge des Eintreffens der Arten an einem Ort abhängen. Dabei können zwei unterschiedliche Typen des Effekts unterschieden werden: der hemmende und der fördernde. Ersterer beschreibt, dass die sich früher etablierende Art die Durchsetzung, das Wachstum oder die Fortpflanzung einer später eintreffenden Art negativ beeinflussen kann, indem sie zum Beispiel die Ressourcen in Anspruch nimmt. Letzterer beschreibt dagegen, dass eine zuerst eintreffende Art auch die Etablierung, das Wachstum oder die Fortpflanzung der späteren Art positiv beeinflussen kann, zum Beispiel durch eine Stärkung der Bodenfruchtbarkeit oder Verbesserung der mikroklimatischen Bedingungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das große Ganze</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Schon von der Definition her klingt der Begriff so, als wäre er besonders in der Gemeinschaftsökologie relevant. Prioritätseffekte spielen tatsächlich in dieser Disziplin eine wichtige Rolle, werden aber auch in vielen anderen Forschungsbereichen untersucht. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Begriffen, die diesen Effekt in unterschiedlichen Kontexten beschreiben. Verwandte Begriffe sind beispielsweise „alternative stabile Zustände“ in der Renaturierungsökologie, „induzierte Resistenz“ in der Immunologie und Krankheitsökologie oder „Monopolisierung“ in der Evolutionsökologie. Die Wissenschaftler:innen um Stroud et al. (2024), darunter Vicky Temperton vom Institut für Ökologie der Leuphana Universität, deckten den Mangel an konzeptioneller Kohärenz und die Unterschiede in der disziplinären Sprache auf, die derzeit das Verständnis von Prioritätseffekten als breiteres biologisches Phänomen verhindern. Hierzu untersuchten die Forschenden die verschiedenen biologischen Bereiche, die sich in ihren Studien mit Prioritätseffekten befassen, mit dem Ziel, einen Rahmen für ein besseres Verständnis der Bedingungen und Mechanismen von Prioritätseffekten und ihrer Folgen über räumliche und zeitliche Skalen hinweg zu entwickeln.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="939" height="695" src="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2024/09/Priority-Effects.jpeg" alt="" class="wp-image-909" srcset="https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2024/09/Priority-Effects.jpeg 939w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2024/09/Priority-Effects-300x222.jpeg 300w, https://ecology.web.leuphana.de/wp-content/uploads/2024/09/Priority-Effects-768x568.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 939px) 100vw, 939px" /><figcaption class="wp-element-caption">In wirtsassoziierten Gemeinschaften, insbesondere bei pflanzlichen Wirten, können starke Interaktionen innerhalb des Wirts zwischen koinfizierenden Parasiten zu lokalen Prioritätseffekten führen. So können beispielsweise früh auftretende Stämme des Echten Mehltaus, Podosphaera plantaginis (A), auf Blättern der Wirtspflanze Plantago lanceolata (B) die Infektion durch später auftretende Stämme erleichtern, die sich in ihrer Abwesenheit weniger wahrscheinlich etablieren Quelle: Stroud et al. (2024). Fotocredits: Mikko Jalo, Anna-Liisa Laine.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Netzwerk zeichnen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für diese Überprüfung und zur Entwicklung eines solchen Rahmenkonzepts führten Stroud und Kolleg:innen eine Kozitationsnetzwerkanalyse von Studien zu Prioritätseffekten durch. Bei solch einer Analyse wird untersucht, wie oft zwei Studien in veröffentlichten Arbeiten gemeinsam zitiert werden. Ein Netzwerkalgorithmus identifiziert dabei Cluster von Studien, die innerhalb eines Clusters mehr Zitate aufweisen als zwischen Clustern. Die Ergebnisse der Analyse zeigen deutlich eine unbeständige Kohärenz zwischen Studien über Prioritätseffekte und verwandte Themen in verschiedenen biologischen Teilbereichen. Genauer gesagt ergab die Analyse vier primäre Cluster von Studien, die häufiger gemeinsam zitiert werden: (1) Allgemeine Ökologie, (2) Tierökologie, (3) Pflanzenökologie und (4) Evolutionsökologie. Diese als „Super-Cluster“ bezeichnete, gut miteinander verbundene Gruppe von Disziplinen hat ein gemeinsames Interesse an Prioritätseffekten und steht somit im Gegensatz zu zwei weiteren, kaum miteinander verbundenen Clustern: (5) Parasitologie und (6) Polarbiologie.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aufruf zur interdisziplinären Kommunikation</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse unterstreicht, wie wichtig es ist, den interdisziplinären Dialog und die Zusammenarbeit zu fördern, um die Forschung zu Prioritätseffekten voranzutreiben. Als ersten Schritt zur Überwindung der semantischen Barrieren zwischen den verschiedenen Teilbereichen haben Stroud und Kolleg:innen eine Liste aller Begriffe zusammengestellt, die mit Prioritätseffekten in Verbindungen stehen, um den Forschenden, die sich hiermit beschäftigen, Schlüsselwörter an die Hand zu geben, mit denen sie in Zukunft arbeiten können. Dies bildet die Grundlage für einen einheitliche Rahmen zur Förderung eines einheitlichen Verständnisses der Prioritätseffekte. Dadurch könnten beispielsweise ökologische Vorhersagen verbessert, die interdisziplinäre Forschungszusammenarbeit erleichtert, Strategien für das Ökosystemmanagement optimiert, praktische Anwendungen in der biomedizinischen und landwirtschaftlichen Forschung sowie Einblicke in die Neuzusammensetzung von Gemeinschaft unter dem Klimawandel ermöglicht werden. Darüber hinaus zielte die Review darauf ab, Forschende dabei zu unterstützen, Ergebnisse, Forschungsmethoden und Schlussfolgerungen aus verschiedenen Disziplinen zu übernehmen und zu verbinden. Außerdem sollte das Interesse von Forschenden geweckt werden, die bisher noch nicht mit dem Konzept der Prioritätseffekte in Berührung gekommen sind, um sie zu ermutigen, den potenziellen Einfluss solcher Effekte in ihren eigenen Studien zu untersuchen. Die Zusammenarbeit und der Austausch von Erkenntnissen über Disziplinen hinweg bereichert nicht nur unser Verständnis biologischer und ökologischer Dynamiken, sondern unterstreicht auch die Verflechtung verschiedener Prozesse über Skalen hinweg. Und: Die interdisziplinäre Kommunikation gewinnt auch bei der Bewältigung der komplexen Herausforderungen unserer Zeit immer mehr an Bedeutung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie Interesse haben, tiefer in diese Review einzutauchen und die mit Prioritätseffekten verbundenen Teilbereiche und Begriffe zu entdecken, finden Sie die Studie von Stroud und Kolleg:innen hier: <br>Stroud, J. T., Delory, B.M., Barnes, E.M. et al. Priority effects transcend scales and disciplines in biology. <em>Trends in Ecology &amp; Evolution</em>. (2024). <a href="https://doi.org/10.1016/j.tree.2024.02.004">https://doi.org/10.1016/j.tree.2024.02.004</a></p>
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